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Rentenmärkte weltweit: Anleihen aus Europa gefragt


08.11.17 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am US-Rentenmarkt wirkte das Vorhaben der US-Regierung bezüglich einer Reform des Steuersystems im Oktober noch nach, so die Experten von Union Investment.

Marktteilnehmer würden sich hiervon einen Stimulus für die US-Wirtschaft erhoffen und hätten sich daher zurückhaltend gezeigt. Als belastend hätten sich auch die guten Konjunkturnachrichten erwiesen. In der Spitze habe sich die Rendite für zehnjährige Papiere der Marke von 2,5 Prozent genähert. Für größere Schwankungen hätten zudem immer wieder Gerüchte um die Besetzung der offenen Posten bei der US-Notenbank gesorgt.

Die Federal Reserve stehe 2018 vor einem personellen Umbruch. Zum einen würden turnusmäßig die stimmberechtigten regionalen Notenbankchefs rotieren. Zum anderen gebe es derzeit im Board of Governors der Federal Reserve aktuell eine ganze Reihe von Vakanzen. Zuletzt habe Jerome Powell im Rennen um den Vorsitz die Nase vorn gehabt. Auf Indexebene (JP Morgan Global Bond US-Index) hätten US-Schatzanweisungen im September leicht an Wert verloren und 0,1 Prozent abgegeben.

Der europäische Rentenmarkt blicke hingegen auf einen überaus freundlichen Monat zurück. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index, hätten europäische Staatsanleihen im Oktober 1,1 Prozent an Wert gewonnen. Anleihen aus Südeuropa hätten im Schnitt doppelt so stark zugelegt. Nachrichten bezüglich der Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens hätten nicht belastet. Gute Nachrichten seien zudem aus Italien gekommen. Dort sei die neue Wahlrechtsreform nach dem Abgeordnetenhaus nun auch vom Senat gebilligt worden.

Besonders marktbewegend sei jedoch die Sitzung der EZB gewesen. Wie erwartet würden die Währungshüter demnächst ihre Anleihekäufe reduzieren. Ab Januar würden monatlich nur noch 30 statt wie bisher 60 Milliarden Euro erworben. Gleichzeitig sei das Programm jedoch bis September nächsten Jahres verlängert und möglichen Zinserhöhungsfantasien eine klare Absage erteilt worden. Die Unterstützung der EZB bleibe also, wenn auch in reduzierter Form, erhalten und sei deshalb sehr positiv aufgenommen worden.

Europäische Unternehmensanleihen seien ebenfalls gut nachgefragt gewesen und hätten 1,1 Prozent zugelegt. Anleihen aus den Schwellenländern hätten unter einem stärkeren US-Dollar gelitten und nur 0,4 Prozent zugelegt. Nach vorn gerichtet würden die Experten leicht steigende Renditen erwarten. (Ausgabe Oktober 2017) (08.11.2017/alc/a/a)