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Rentenmärkte USA: US-Wahlkampf dominiert die Agenda


12.10.20 11:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - US-Staatsanleihen handelten im September in engen Bandbreiten seitwärts, so die Experten von Union Investment.

Die Renditeveränderungen gegenüber dem Vormonat seien über alle Laufzeiten hinweg nur marginal gewesen. Anleger hätten letztlich den Kupon verdienen können, was sich, gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index in einem Plus von 0,2 Prozent bemerkbar gemacht habe. Die geringe Volatilität lasse vermuten, dass es an wichtigen Themen gemangelt habe. Dem sei aber nicht so. Gute Konjunkturdaten hätten eigentlich die Kurse belasten müssen, hätte es da nicht noch die US-Notenbank und den US-Wahlkampf gegeben.

Das Marktgeschehen sei immer politischer geworden. Im Mittelpunkt dabei habe ein neuerliches Fiskalpaket gestanden, auf das sich Republikaner und Demokraten schon seit Wochen nicht hätten einigen können. Nach einem Streit über die Neubesetzung des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Surpreme Court) erscheine ein Paket zum Monatsende als sehr unwahrscheinlich. Entgegen der üblichen Spielregeln in Washington habe Präsident Donald Trump noch vor der Wahl eine konservative Kandidatin durchgedrückt. Da Bundesrichter auf Lebenszeit berufen seien, drohe eine nachhaltige Kräfteverschiebung am Supreme Court. Eigentlich sei eine solche Nominierung in Wahljahren dem neuen Präsidenten vorbehalten. Der Graben zwischen beiden Parteien sei dadurch noch tiefer geworden.

Darüber hinaus sei von der US-Notenbank eine gewisse Enttäuschung ausgegangen. Die Währungshüter hätten sich zwar auf ein neues Inflationsziel verständigt, das nun auch höhere Teuerungsraten als zwei Prozent zulasse. Viele Marktteilnehmer hätten jedoch damit gerechnet, dass konkrete Sofortmaßnahmen in Form neuerlicher Ankaufprogramme gestartet würden. Angesichts der zuletzt aber guten Entwicklung der US-Wirtschaft dürften sich die Notenbanker jedoch noch etwas Pulver trocken halten wollen.

Die kommenden Wochen dürften angesichts der heißen Wahlkampfphase und der wieder steigenden Corona-Infektionen volatil werden. (Ausgabe vom 09.10.2020) (12.10.2020/alc/a/a)