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Rentenmärkte: Tapering der EZB könnte wieder für höhere Renditen sorgen


07.09.17 12:20
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleihemärkte bleiben fest in der Hand der geopolitischen Risiken, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Angesichts einer erneuten Zuspitzung des Konfliktes mit Nordkorea - die Nordkoreaner hätten eine Wasserstoffbombe gezündet, worauf die Amerikaner mit einem Atomschlag gedroht hätten - seien sichere Anlagen bei Investoren gefragt, was zu einem erneuten Rückwärtsgang bei den Renditen geführt habe.

Zudem seien einige Konjunkturindikatoren eher enttäuschend ausgefallen, auch wenn der Konjunkturpfad insgesamt robust verlaufe. So habe der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für August nur einen Stellenaufbau von 156.000 ergeben, deutlich unterhalb der Erwartungen von 180.000. Die Arbeitslosenquote sei leicht auf 4,4% angestiegen und die durchschnittlichen Stundenverdienste seien nur um 0,1% im Vergleich zum Vormonat angestiegen. Letzteres sei ein Zeichen dafür, dass vonseiten der Lohnentwicklung unverändert kein Druck auf die Inflation ausgeübt werde. Des Weiteren seien die Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter im Juli um 6,8% gegenüber dem Vormonat eingebrochen.

Die enttäuschenden Datenveröffentlichungen würden Zweifel an einer weiteren Zinsanhebung durch die FED noch in diesem Jahr aufkommen lassen. Auch die unsichere politische Situation in Washington – vor allem die mögliche Hängepartie bei der Anhebung der Schuldenobergrenze und die verschobenen Reformvorhaben der Trump-Regierung - würden auf den Treasury-Renditen lasten.

Das Highlight dieser Berichtswoche sei die Zinssitzung der EZB (07.09.). Nach Meinung der Analysten dürfte die Notenbank Signale für ein im nächsten Jahr beginnendes Tapering setzen. Die Anleihekäufe der EZB in Höhe von 60 Mrd. Euro würden derzeit noch bis Ende 2017 laufen. Diese dürften auch 2018 fortgesetzt werden, allerdings sukzessive reduziert werden (Tapering). Die Betonung der Währungshüter sollte auf dem nur ganz allmählichen Auslaufen der Anleihekäufe liegen, denn eine zu starke neuerliche Aufwertung des Euro würden sie zu vermeiden suchen. Entsprechend vorsichtig dürfte die Kommunikation ausfallen.

Eine offizielle Ankündigung des Tapering - insbesondere Startzeitpunkt, Dauer, Art der Volumenreduzierung und Aufteilung auf die einzelnen Anleiheklassen - sollte die EZB erst auf ihrer Zinssitzung Ende Oktober verkünden. Bestehende Restriktionen, bei denen die EZB bisher zumindest wenig Flexibilität signalisiert habe, wie zum Beispiel die 30%-Obergrenzen bei Käufen pro Emission und Emittent, würden für eine zu Jahresbeginn 2018 stärkere Reduzierung der Anleihekäufe sprechen, um diese Obergrenzen nicht zu gefährden. Dafür könnte die EZB eine längere Laufzeit der Käufe signalisieren.

Sollte die EZB tatsächlich in Richtung Tapering marschieren, dürfte sich dies in der Folge in deutlich erhöhten Renditeniveaus für die Bundesanleihen widerspiegeln. Ein sprunghafter Anstieg wie in den USA 2013, als Notenbankchef Ben Bernanke das Tapering angekündigt habe, sei jedoch nicht zu erwarten, da der Überraschungseffekt weniger groß sein sollte. Zudem drücke die angespannte geopolitische Lage weiterhin auf die Renditen. (07.09.2017/alc/a/a)