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Rentenmärkte: Renditen fallen angesichts der jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten


12.10.18 08:30
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Märkten ist es am 10. Oktober ungemütlich geworden, so Dr. Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank AG.

Zu den Turbulenzen in den Schwellenländern habe sich jetzt ein ungewöhnlich starker Kursrückgang an den amerikanischen Börsen gesellt. Am letzten Mittwoch sei der S&P 500 um 3,3% zurückgegangen, der NASDAQ habe gar um 4,1% nachgegeben. Das habe auch die Rentenmärkte nicht kalt gelassen: Die zehnjährigen Renditen der US-Treasuries seien von über 3,25% auf 3,15% gefallen, da die Anleger von Aktien in Rentenpapiere umgeschichtet hätten.

Diese Bewegung spiegele sich auch bei den Bunds wider. Genau vor diesen etwas unruhigeren Zeiten habe der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem gerade erschienenen halbjährlichen Finanzstabilitätsreport gewarnt: "…steigende Verschuldungsgrade (…), eine fortgesetzte Verschlechterung der Standards bei der Kreditgewährung sowie überzogene Bewertungen in einigen größeren Finanzmärkten" machten die Märkte verletzlich. Gleichzeitig habe die internationale Organisation ihre Wachstumsprognosen nach unten angepasst. Für die Welt erwarte der IWF nunmehr nur noch einen BIP-Zuwachs von 3,7% im Jahr 2019 (vorherige Prognose: 3,9%) und für Deutschland von 1,9% (2,5%). US-Präsident Donald Trump habe auf den Kurssturz an den Aktienmärkten prompt reagiert und die Zinserhöhungen der US-Notenbank als Schuldigen ausgemacht. Die FED sei "verrückt geworden", sie erhöhe die Zinsen zu schnell.

Für die Schwellenländer werde die Situation dadurch nicht einfacher, da Anleger in Zeiten steigender Risikoaversion typischerweise ihr Kapital aus diesen Ländern zurückholen würden. Pakistan habe bereits Anfang der Woche angekündigt, den IWF um einen Hilfskredit zu bitten. In Brasilien hätten die Märkte zwar positiv auf den Sieg von Jair Bolsonaro im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl reagiert. Ob es dem rechtspopulistischen Kandidaten nach einem möglichen Wahlsieg in knapp zwei Wochen aber tatsächlich gelinge, das Land zu stabilisieren, sei vollkommen ungewiss.

Um Stabilisierung gehe es auch in Italien. Dort übe sich die Regierung in einem Tauziehen um den Haushalt mit Brüssel und den Märkten. Letztere hätten die Renditen der zehnjährigen Bonds zeitweise auf 3,70% geschickt. Diese könnten in den kommenden Tagen durchaus noch höher steigen. Die Regierung sei in jedem Fall auf dem besten Weg, ihre Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten zu verspielen. So dränge sich etwa der Eindruck auf, dass der Finanzminister Giovanni Tria kein Durchsetzungsvermögen innerhalb der Regierung habe. Außerdem würden unrealistische Wachstumsprognosen verbreitet, um offensichtlich die Schuldenquote (die in Prozent des BIP ausgedrückt werde) zu reduzieren. Das Thema Italien dürfte beim EU-Gipfel am 18.10. eine wichtige Rolle spielen, zusammen mit dem Brexit, wo sich erste Anzeichen einer An-näherung andeuten würden.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich die Lage an den Aktienmärkten rasch wieder beruhige, falls die Kurse von Anlegern als günstige Einstiegsgelegenheit gewertet würden. Die Renditen würden dann wieder steigen. So oder so: Der kräftige Kurseinbruch an den Aktienmärkten sei ein Schuss vor den Bug für alle jene Marktauguren, die der Meinung seien, dass die US-Aktienmärkte eine Einbahnstraße nach oben seien. (Ausgabe vom 11.10.2018) (12.10.2018/alc/a/a)