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Rentenmärkte: Powells Kongress-Anhörung dürfte Zinserwartungen bestimmen


07.11.19 12:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Angesichts einer positiv überraschenden US-Berichtssaison haben die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten neue Rekordhochs erklommen und für eine Risk-on-Stimmung gesorgt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Dem hätten sich auch die Rentenmärkte nicht entziehen können, sodass durch entsprechende Umschichtungen die Renditen der zehnjährigen US-T-Notes auf 1,86% und die der korrespondierenden Bunds auf rund -0,30% gestiegen seien. Dazu seien einige Konjunkturdaten gekommen, die bei vielen Anlegern die Hoffnung geweckt haben dürften, dass der Aufschwung in den Vereinigten Staaten doch noch nicht zu Ende sei. Richtig sei, dass der Beschäftigungszuwachs in den USA bei abnehmender Tendenz immer noch recht solide sei und dass das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal mit 1,9% QoQ (annualisiert) höher als die Konsensprognose ausgefallen sei.

Auch in der Eurozone sei die Expansionsrate des BIP in Q3 mit 0,2% QoQ etwas höher als erwartet gewesen, während die Frühindikatoren sich nicht weiter verschlechtert hätten. Sei die Schwächephase schon vorbei? Vermutlich nicht. Vielmehr dürfte global mit einem recht fragilen Wachstum zu rechnen sein, das im Jahr 2020 bei 2,9% liegen sollte, dem niedrigsten Wert seit der Finanzmarktkrise von 2008/2009. Dies scheine den Analysten an den Aktienmärkten nicht eingepreist zu sein, sodass eine kräftige Korrektur in diesem Marktsegment nicht überraschen würde. In diesem Fall sollten auch die Renditen der Staatsanleihen wieder fallen.

Die Hoffnung vieler Investoren auf bessere Wirtschaftsaussichten stütze sich auch auf Meldungen, die USA werde im Zuge des Teilabkommens mit China einige der zuvor erhobenen Zölle wieder senken. Die deutlichste Reaktion habe der Chinesische Yuan gezeigt, der gegenüber dem US-Dollar auf ein Niveau von rund 7 gefallen sei bzw. aufgewertet habe. Bislang sei aber noch nicht klar, ob Präsident Donald Trump die genannten Konzessionen einzugehen bereit sei - sie könnte Wählerstimmen kosten - und wann überhaupt das Teilabkommen unterzeichnet werde. Darüber hinaus sollte klar sein, dass der Konflikt zwischen den beiden Großmächten eher langfristig angelegt sei und sich um Hegemonialbestrebungen hinsichtlich der technologischen und militärischen Vorherrschaft drehe.

Am Sonntag (10.11.) würden in Spanien erneut vorgezogene Neuwahlen stattfinden. Sie seien notwendig geworden, weil der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sanchez keine Mehrheit zustande bekommen habe, um in diesem Amt bestätigt zu werden. Die PSOE (Sozialisten), PP (Konservative), Ciudadanos (Rechtsliberale), die Unidas Podemos (Links-Bündnis) sowie die rechtsextreme Vox stünden sich teilweise unversöhnlich gegenüber. Laut Umfrage könnte auch dieses Mal eine Regierungsbildung schwierig werden.

Beherrschendes Thema im Wahlkampf sei die Katalonien-Frage, die sich jüngst angesichts der Verurteilung einiger separatistischer Politiker zu mehrjährigen Haftstrafen zugespitzt habe. Eine erneute Hängepartie dürfte die Spreads spanischer Anleihen ansteigen lassen, wenngleich das Wirtschaftswachstum auf der iberischen Halbinsel immer noch zu den höchsten in der Eurozone zähle.

Politisch dürften in den USA die Zeugenaussagen gegen den US-Präsidenten im Zusammenhang mit dem geplanten Impeachmentverfahren für Nervosität sorgen. Bisher sei allerdings festzustellen, dass belastende Zeugenaussagen für Trump die Märkte nicht merklich beeinflusst hätten.

Ein Highlight dürfte die Anhörung von FED-Chef Jerome Powell vor dem Wirtschaftskomitee des Kongresses sein (13.11.), bei dem Powell über die Lage der amerikanischen Volkswirtschaft reden werde. Eine optimistische Rede würde die Erwartung stärken, dass die FED sich mit weiteren Zinssenkungen schwertue.

Schließlich stünden noch einige Konjunkturdaten auf der Agenda. Dazu gehöre die Veränderungsrate des deutsche BIP in Q3 (14.11.), die vermutlich ein negatives Vorzeichen trage. Deutschland wäre dann in einer technischen Rezession. Inflationsdaten aus der Eurozone und den USA sowie US-Einzelhandelsumsätze würden zu den weiteren Indikatoren zählen, die die Märkte bewegen könnten. Am 11.11. sei in den USA Feiertag (Veterans day). (Ausgabe vom 06.11.2019) (07.11.2019/alc/a/a)