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Rentenmärkte: Neue Regierung aus 5-Sterne-Bewegung und Lega in Italien


08.06.18 08:45
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In Italien ist jetzt doch eine Regierungskoalition aus 5-Sterne-Bewegung und Lega unter Ministerpräsident Giuseppe Conte zustande gekommen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Doch die Marktteilnehmer stünden der neuen Regierung angesichts ihrer expansiven Haushaltspolitik kritisch gegenüber. Zwar habe sich die Lage nach einer Panikreaktion in der vergangenen Woche beruhigt, doch zuletzt seien italienische Staatsanleihen wieder unter Druck geraten. Die Rendite zweijähriger Titel sei über 1% gestiegen, die der zehnjährigen auf rund 2,90%. In seiner Regierungserklärung habe Giuseppe Conte nicht mehr ganz so harte Töne angeschlagen - anscheinend versuche man nun, Regierungsvorhaben umzusetzen, die für die Finanzmärkte nicht ganz so kritisch seien, um nicht erneut einen sprunghaften Anstieg der Renditen zu initiieren. Nichtsdestotrotz würden Steuererleichterungen und Ausgabenerhöhungen auf der Agenda bleiben, was das Land zu einem Risikofaktor der Eurozone mache.

Während sich die Lage in Italien zumindest kurzzeitig stabilisiert habe, nehme das Risiko eines Handelskrieges wieder zu. So seien Anfang Juni sowohl die US-Importzölle auf Aluminium und Stahl für die EU sowie für Kanada und Mexiko in Kraft getreten. Hier würden Gegenmaßnahmen der betroffenen Länder drohen; die EU habe z.B. angekündigt, ab dem 1. Juli Importzölle auf Jeans, Whiskey und Motorräder aus den USA zu erheben. Das Volumen solle zunächst 2,8 Mrd. Euro jährlich betragen, in einem zweiten Schritt würden 3,6 Mrd. Euro hinzukommen. Gleichzeitig denke die USA über Zölle auf Autos nach und China würde mehr Waren von den USA kaufen, wenn diese im Gegenzug von Importzöllen in Höhe von 50 Mrd. US-Dollar absehen würden (Entscheidung dazu am 15.6.). Damit sehe alles nach einer Verschärfung der Handelsstreitigkeiten aus.

Von der EZB würden Töne kommen, die auf eine Diskussion des QE-Ausstiegs auf der EZB-Zinssitzung in der kommenden Woche (14.06.) hindeuten würden. Das habe die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen und Treasuries moderat nach oben klettern lassen, nachdem diese zuvor durch die Krise in Italien unter Abwärtsdruck geraten seien. Für die EZB-Sitzung würden die Analysten mit einer Ankündigung rechnen, dass die Anleihekäufe zum Jahresende beendet würden. Im Schlussquartal 2018 könnten diese noch einmal mit auf 10 Mrd. oder 15 Mrd. Euro reduziertem Volumen weiterlaufen. Auch die FED tage in der nächsten Woche (13.06.). Die US-Notenbank dürfte nach Erachten der Analysten nach März die Zielspanne für die FED Funds Rate das zweite Mal in diesem Jahr um 25 BP auf dann 1,75 bis 2,00% anheben.

Der G7-Gipfel der Regierungschefs, der am Freitag in Kanada beginne, dürfte holprig verlaufen. Streitthemen zwischen den USA und anderen Ländern seien der Klimaschutz, die Handelspolitik sowie der Umgang mit dem Iran. Hier lägen die Positionen weit auseinander, sodass nicht von der Einigung auf eine gemeinsame Abschlusserklärung auszugehen sei. (Ausgabe vom 07.06.2018) (08.06.2018/alc/a/a)