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Rentenmärkte: Leichter Renditeanstieg - EZB bleibt vorsichtig.


13.09.18 12:30
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Tagen haben sich die Kapitalmarktrenditen auf beiden Seiten des Atlantiks leicht erhöht, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die zehnjährigen Bundesanleihen würden oberhalb von 0,40% rentieren, die T-Notes-Renditen gleicher Laufzeit bei knapp 3%. Letztere seien hochgelaufen, hätten aber erneut die 3%-Hürde nicht überwinden können. Auch die zweijährigen Renditen hätten sich etwas erhöht. Hintergrund der Bewegung könnten die anstehenden Notenbanksitzungen von EZB (13.09.) und FED (2609.) sein.

Die Analysten der HSH Nordbank AG würden nicht mit großen Ankündigungen von der EZB-Sitzung am 13.09. rechnen. An ihrem Fahrplan, ihre derzeitigen Nettoanleihekäufe von 30 Mrd. Euro pro Monat auf 15 Mrd. Euro pro Monat ab Oktober zu reduzieren und diese zum Jahresende komplett einzustellen, werde sie nicht mehr rütteln. Spekulationen auf eine erste Zinsanhebung dürfte sie möglichst eindämmen wollen, indem sie an ihrer forward guidance "keine Zinsanhebung in der Eurozone bis Ende Sommer 2019" festhalte. Für mögliche Anpassungen daran sei es noch zu früh. Interessant könnten die Veröffentlichung der neuen Inflations- und Wachstumsprognosen der EZB sowie Nuancen in der Kommunikation der EZB werden. Gewichte die Notenbank beispielsweise die Konjunkturrisiken, die aus dem Handelskonflikt zwischen den USA und China entstünden, höher, könnte dies Implikationen für ihre weitere Geldpolitik haben. Darüber hinaus tage heute die Bank of England, von der die Analysten der HSH Nordbank AG keine erneute Zinsanhebung erwarten würden, und die türkische Notenbank, die im Vorfeld die Spekulationen um spürbare Zinsanhebungen angesichts des Drucks der Investoren auf die Lira geschürt habe. Jetzt müsse sie auch liefern, ansonsten dürfte die Lira wieder abwerten.

In der kommenden Woche sollte der Fokus der Anleger auf den Brexit-Verhandlungen und möglichen Neuigkeiten dazu, dem Handelsstreit zwischen den USA und China -möglicherweise werde Ende September eine neue Verhandlungsrunde starten - sowie dem Ringen der italienischen Regierung um einen neuen Haushaltsentwurf für 2019 liegen. Nach der zwischenzeitlichen Entspannung an dieser Front seien die Wogen wieder hochgeschlagen, denn die 5-Sterne-Bewegung habe angeblich mit dem Sturz von Finanzminister Giovanni Tria gedroht, wenn im Budget nicht mindestens 10 Mrd. Euro für die Einrichtung eines bedingungslosen Grundeinkommens vorgesehen würden. Das zeige, wie stark in der Regierung noch um den neuen Haushalt gekämpft werde. Der eher der Finanzstabilität zugeneigte Tria versucht, neue Ausgaben in Grenzen zu halten, während Lega und 5-Sterne-Bewegung ihre Positionen durchsetzen wollten, die mit erheblichen Mehrausgaben verbunden seien.

Darüber hinaus würden nächste Woche noch die vorläufigen Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für September veröffentlicht. Insbesondere die Indices für Italien sollten unter Beobachtung stehen. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe habe im August nur knapp über der Grenze von 50 Punkten gelegen, die auf eine Expansion hindeuten würden. (13.09.2018/alc/a/a)