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Rentenmärkte: Lagarde signalisiert Interventionsbereitschaft am Bondmarkt


01.04.21 15:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen aus den USA und Deutschland sind im Wochenvergleich gestiegen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

T-Notes würden im zehnjährigen Bereich bei 1,72% rentieren, die entsprechenden Bunds bei -0,31%. Angefacht worden sei der neue Anstieg durch die Vorstellung des 2,3 Billionen US-Dollar umfassenden Infrastrukturpakets der Regierung Biden, das auch die Aktienmärkte jenseits und diesseits des Atlantiks Schwung verliehen habe. Der DAX liege bei über 15.000 Punkten. Heute morgen sei außerdem ein kräftiger Anstieg der PMI-Indices im März in den Euroländern gemeldet worden. Die Werte lägen jetzt zwischen 57 (Spanien) und 67 Punkten (Deutschland). Insgesamt sei die Stimmung risk-on und das belaste die Bondmärkte.

In diesem Umfeld habe die EZB-Chefin Lagarde erstaunlich deutlich auf die Interventionsbereitschaft der Europäischen Zentralbank zur Eindämmung eines weiteren Renditeanstiegs hingewiesen. "Sie können uns testen, so viel Sie wollen", habe sie in einem Interview mit Bloomberg TV gesagt. Damit begebe sich Lagarde in die Nähe von Yield Curve Control, auch wenn die EZB keine expliziten Werte festgelegt habe, ab denen die Notenbank intervenieren werde. Das Anliegen von Lagarde sei klar: Sie möchte verhindern, dass die höheren langfristigen Renditen aus den USA sich auf die Eurozone übertragen würden, wo die Konjunktur etwa ein halbes Jahr dem Verlauf in den Vereinigten Staaten hinterherhinke. Im ersten Quartal sei man hier vermutlich noch in der Rezession gewesen, während die USA seit dem vierten Quartal 2020 bereits wieder recht kräftig wachsen würden.

Die Sorgen um die Konjunktur in der Eurozone seien trotz der in Deutschland im März konstant bei 6,0% gebliebenen Arbeitslosenrate (saisonbereinigt) berechtigt. Denn in Frankreich gelte ab morgen (02.04.) ein harter Lockdown mit Schulschließungen und massiven Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit. Für Deutschland werde auch eine Verschärfung der Corona-Regeln gefordert.

Für die Weltwirtschaft sehe es hingegen eher gut aus. Die Welthandelsorganisation (WTO) habe gestern seine neuen Prognosen veröffentlicht und gehe davon aus, dass das der Welthandel in diesem Jahr um 8% expandieren werde nach -5,3% im vergangenen Jahr. Noch im April 2020 habe man einen Rückgang des Welthandels von 13% für möglich gehalten. Hier schlage sich nieder, dass man die Verschiebung der Konsumausgaben weg von Dienstleistungen hin zu Gütern nicht (in diesem Maße) antizipiert habe.

Für das Welt-BIP erwarte die WTO 5,1% Zuwachs (2020: -3,8%). Der Optimismus dürfte in der kommenden Woche von dem internationalen Währungsfonds (IWF) geteilt werden, der im Rahmen der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank seinen World Economic Outlook (06.04.) vorstelle. Am gleichen Tag werde auch der Stabilitätsreport präsentiert, der die Risiken für die Erholung betonen werde. Dabei würden die hohen Schulden im Unternehmenssektor im Mittelpunkt stehen.

Ein Risiko, das bisher noch keine großen Schlagzeilen mache, sei die Dürre in Taiwan, die dort die Chipproduktion bremse. Letztere sei auf hohe Mengen Wassereinsatz angewiesen, sodass die Dürre die ohnehin bestehende globale Knappheit bei Halbleitern verschärfen werde. Taiwan und Südkorea - TSMC und Samsung seien die entsprechenden Unternehmen - seien die einzigen Produzenten von 5 und 7 Nanometer Halbleitern.

Zurück zum US-Konjunkturpaket: Die Biden-Administration habe sich viel vorgenommen. Von den 2,3 Billionen US-Dollar, die über acht Jahre ausgegeben werden sollten, seien 721 Mrd. US-Dollar für die Transport-Infrastruktur und den Breitbandausbau vorgesehen, 480 Mrd. US-Dollar für den Wohnungsbau, 400 Mrd. US-Dollar für Forschung und Entwicklung sowie grüne Industrie und 650 Mrd. US-Dollar unter anderem für Pflegeeinrichtungen.

Da Biden die Mehrausgaben unter anderem mit einer Erhöhung der Unternehmenssteuern gegenfinanzieren möchte, würden die Republikaner vermutlich geschlossen gegen die Pläne stimmen. Es werde auch eine Herausforderung alle Abgeordneten der Demokraten, die je nach Bundesstaat-Provinienz unterschiedliche Interessen verfolgen würden, unter einen Hut zu bekommen. Es dürfte schwierig werden, das Programm noch in diesem Jahr zu beschließen.

Heute würden die OPEC und OPEC+ Länder tagen (01.04.). Saudi-Arabien habe einseitig seine Produktion um 1 Million Barrel/Tag gekürzt und dies zuletzt bis April verlängert. Angesichts des schwachen Wachstums in der Eurozone werde die OPEC vermutlich nur sehr vorsichtig ihre Förderung wieder ausweiten.

Mit den Osterfeiertagen dürften die nächsten Tage mit einer geringeren Handelstätigkeit einhergehen. Datenseitig komme aber die zu Monatsbeginn typische Flut an Daten. Dazu würden die ISM-Indices und PMI-Indices zählen (01.04. und 05.04. für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, USA und die meisten von Markit abgedeckten Länder). Am Freitag (02.04.) würden dann die US-Arbeitsmarktdaten und am 08.04. die deutschen Auftragseingänge für die deutsche Industrie im Februar folgen. (01.04.2021/alc/a/a)