Rentenmärkte: Kaufinteresse hält an


02.09.19 08:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleihen aus dem Euroraum tendierten in der Berichtswoche im Rahmen des Marktumfeldes und der Erwartung auf eine kommende geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) freundlich, so die Experten von Union Investment

Der aktuelle EZB-Kurs sei am Donnerstag von einem Statement der designierten EZB-Chefin Lagarde bestätigt worden. Frau Lagarde habe klar Position im Sinne der Geldpolitik Mario Draghis bezogen. Der bisherige EZB-Kurs werde damit aller Wahrscheinlichkeit nach auch unter neuer Leitung fortgesetzt werden. Für Moll-Töne hätten hingegen EZB-Ratsmitglieder Klaas Knot und Sabine Lautenschläger gesorgt, die sich in Sachen geldpolitischer Lockerung und den damit verbundenen Wertpapierankäufen durch die EZB (Quantitative Easing) viel zurückhaltender ausgedrückt hätten. Somit sei die Rally am Rentenmarkt zum Wochenschluss etwas ins Stocken gekommen. Auf Gesamtmarktebene (iBoxx-Sovereigns) sei bis Donnerstagabend aber ein Zuwachs von rund einem Prozent zu verzeichnen gewesen. Die Zugewinne dürften im Verlauf des Freitags, soweit im Handelsgeschehen zu beobachten, weitgehend gehalten worden sein.

Im Blickpunkt habe der italienische Rentenmarkt gestanden. Die Vermeidung von Neuwahlen und die nun anstehende Regierungsbildung habe die Anleger in Kauflaune gehalten. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sei unter die Ein-Prozentmarke bis auf 0,93 Prozent gefallen. Damit einhergehend sei es dem italienischen Schatzamt gelungen, sich am Donnerstag sehr günstig zu verschulden. Zehnjahrespapiere seien mit 0,96 Prozent emittiert worden. In der Juli-Auktion habe die Rendite noch 1,56 Prozent betragen. Fünfjahrestitel seien zu 0,32 Prozent emittiert worden. Die geringeren Refinanzierungskosten würden der italienischen Regierung die Haushaltsplanung erleichtern. Der designierte Ministerpräsident Conte wolle diese für 2020 sobald wie möglich vorlegen.

In Spanien und Portugal habe sich die Zehnjahresrendite in Richtung Ein−Prozentmarke bewegt, sei aber nicht nach unten durchbrochen worden.

Am deutschen Rentenmarkt seien minimale Zugewinne zu beobachten gewesen, die Zehnjahresrendite sei per Freitagmittag bis auf minus 70 Basispunkte zurückgefallen. Die deutsche Zinskurve habe über die langen Laufzeiten etwas flacher tendiert.

Am US-Markt habe die Zehnjahresrendite ebenfalls ganz leicht nachgegeben. Die US-Kurve habe sich insgesamt im Wochenvergleich kaum verändert gezeigt. Dort werde verstärkt die Emission von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einhundert Jahren diskutiert.

Im Blickpunt hätten zudem europäische Unternehmensanleihen gestanden. Dort habe es in der Berichtswoche eine massive Neuemissionswelle gegeben. So seien alleine in den vergangenen fünf Handelstagen 35 Emissionen im Gegenwert von 24 Milliarden Euro emittiert worden. Die hohe Emissionstätigkeit habe allerdings etwas auf den Sekundärmarkt gedrückt.

Im Bereich der Schwellenländer-Anleihen habe Argentinien das Geschehen dominiert. Dort sei angesichts von Zahlungsschwierigkeiten beschlossen worden, einen Teil der Verbindlichkeiten zu restrukturieren. Im Wesentlichen handle es sich hierbei zunächst um Laufzeitverlängerungen verschiedener Papiere. Die Zinszahlungen würden weiterhin geleistet. (Ausgabe vom 30.08.2019) (02.09.2019/alc/a/a)