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Rentenmärkte: Geopolitisches Säbelrasseln gibt sicheren Häfen Zulauf


01.09.17 09:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte werden gegenwärtig stark von politischen Entwicklungen in Fernost getragen, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Nordkoreas Raketenstart habe eine Fluchtbewegung in sichere Staatsanleihen ausgelöst, während konjunkturelle Indikatoren in den Hintergrund geraten seien. Die Renditen für Bundesanleihen und für US-Treasuries hätten nachgegeben und würden aktuell bei 0,37% bzw. 2,14% respektive notieren (Vorwoche 0,40% bzw. 2,19%).

Die andauernden Provokationen Nordkoreas hätten am Montag (28.08.) erneut in einem Raketenstart gegipfelt. Insgesamt scheine eine neue Eskalationsstufe erreicht, da die US-Regierung fortan offenbar auch militärische Optionen prüfen werde. Die Marktteilnehmer hätten dies mit einer starken Nachfrage nach sicheren Assets quittiert. Die zehnjährigen Bundesanleihen hätten in der Spitze der geopolitischen Eskalation fast 8 Basispunkte verloren, jedoch an den Folgetagen wieder hinzugewonnen.

Auch ihre US-Pendants hätten zeitweise auf 2,09% nachgegeben; ein Renditeniveau, welches zuletzt am Tag nach der US-Präsidentenwahl realisiert worden sei. Der Aufwärtstrend in den US-Renditen scheine endgültig zum Erliegen gekommen zu sein und das trotz starker Konjunkturdaten. Das US-BIP sei im zweiten Quartal auf annualisierter Basis um 3,0% gewachsen und habe damit die ersten Schätzungen übertroffen. Mit den US-Arbeitsmarktzahlen und dem ISM-Index (beide 01.09.) schließe die Woche mit weiteren wichtigen Konjunkturindikatoren.

Nach einem verhältnismäßig ruhigen August könnte zum September die Spannung im US-Rentenmarkt zurückkehren. Denn der Kongress müsse bis Ende September die Anhebung der Schuldenobergrenze beschließen. Laut Analysteneinschätzung reiche das Federal Budget noch bis zum 30. September, bevor die aktuelle Schuldenobergrenze von 19,8 Billionen US-Dollar erreicht sei.

Der kurzfristige Anleihemarkt preise bereits eine gewisse Skepsis ein, ob im zähen Ringen zwischen beiden Parteien ein Konsens erzielt werden könne. T-Bills mit Fälligkeit zwischen dem 05. und 19. Oktober würden bis zu 10 Basispunkte über denen mit den nächstkürzeren und längeren Laufzeiten rentieren. Die kurzfristige Zinsstruktur im US-Anleihemarkt könne insoweit als Warnsignal auf einen zwei- bis dreiwöchigen "Government-Shutdown" interpretiert werden.

Neben der aufgewühlten geopolitischen Gemengelage werde in der kommenden Woche die EZB-Sitzung (07.09.) die Anleihemärkte beschäftigen. Im Vergleich zum Notenbank-Treffen in Jackson Hole am vergangenen Wochenende werde ein klares Statement von EZB-Chef Draghi erwartet, wie sich Europas Währungshüter ihre geldpolitische Zukunft vorstellen würden. Andeutungen zu einem Ende der QE-Politik, die allgemeine Markterwartung sei hierfür Ende Dezember 2017, dürften die Renditen positiv auffassen.

Insgesamt würden die Analysten von einer Verlängerung der EZB-Kaufprogramme ausgehen, wenngleich zu reduzierteren Kaufvolumina als die gegenwärtigen 60 Mrd. Euro. Erste Hinweise hierfür könnten am Donnerstag erfolgen, ehe der endgültige Beschluss zum Anleihekaufprogramm bei der nächsten Sitzung im Oktober aufwarten könnte. (Ausgabe vom 31.08.2017) (01.09.2017/alc/a/a)