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Rentenmärkte: Geldpolitik in Washington gibt Trends vor


09.10.17 11:44
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die separatistischen Bestrebungen in Katalonien haben die Renditen spanischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche etwas anziehen lassen, so Tobias Basse von der Nord LB.

Die Verzinsung von deutschen Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren pendle momentan in Sichtweite der psychologisch wichtigen Marke von 0,50%. Die grundlegenden Trends an den globalen Rentenmärkten würden auch weiterhin vor allem von der Geldpolitik in Washington vorgegeben. Die Marktteilnehmer im Fixed-Income-Segment würden zunehmend auf die Umsetzung weiterer geldpolitischer Maßnahmen der US-Zentralbank setzen, welche helfen sollten, die Ausrichtung der FED-Geldpolitik nach und nach zu normalisieren. Dieses Umfeld spreche ganz generell gesprochen eher für ein global steigendes Zinsniveau.

Folglich seien die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden US-Preisdaten natürlich von ganz besonderer Bedeutung für die internationalen Rentenmärkte. Neben den Zahlen zu den Produzentenpreisen (am Donnerstag) werde vor allem auf die Entwicklungen bei den Konsumentenpreisen zu achten sein. Die am Freitag auf der Agenda stehenden Zahlen sollten für den Berichtsmonat September ein deutliches Anziehen des Preisauftriebs anzeigen. Diese Bewegungen bei der Zeitreihe sollten in starkem Maße auf die Wirbelstürme zurückzuführen sein. Die Hurrikans hätten die Lieferketten einiger US-Unternehmen offenbar recht nachhaltig gestört, was zu Knappheit bestimmter Waren und zu höheren Preisen führe. Der Preisauftrieb sei somit zumindest teilweise eine Datenverzerrung. Die Rentenmärkte und die US-Notenbanker dürften sich dieses Faktums zweifelsohne absolut bewusst sein; allerdings möge der eine oder andere FED-Offizielle die aktuellen Daten zu den Entwicklungen an der Inflationsfront in den USA dennoch nutzen wollen, um die im Dezember weiterhin geplante Leitzinsanhebung zu begründen - schließlich sei kein Argument schlecht genug, um es in einer guten Diskussion nicht doch nutzen zu können.

In diesem Kontext werde am Mittwoch auch auf die Veröffentlichung des FOMC-Sitzungsprotokolls zu achten sein. Diese Publikation könne sicherlich helfen, die Diskussionsprozesse innerhalb der US-Notenbank etwas besser zu verstehen. Klar ist nach Auffassung der Analysten der Nord LB, dass zwar nicht alle hochrangigen FED-Offiziellen die Leitzinsen im Dezember anheben wollen, einige besonders wichtige Zentralbanker (vor allem Janet Yellen und John Williams) sind aber offenbar absolut von der Notwendigkeit weiterer Schritte zur langsamen Normalisierung der US-Geldpolitik überzeugt. Insofern sollten die Rentenmärkte nach Auffassung der Analysten auch weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Szenarios "Anhebung der FED Funds Target Rate noch im Dezember" einpreisen. Die durch die Wirbelstürme verzerrten Zahlen zu den neu geschaffenen Stellen sollten kein Hinderungsgrund für die US-Notenbank sein. In der Tat möge der aus dem jüngsten Arbeitsmarktbericht ablesbare Anstieg der Lohnkosten sogar für ein Handeln der FED vor Jahresende 2017 sprechen. (09.10.2017/alc/a/a)