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Rentenmärkte Eurozone: Staatsanleihen profitieren von aufkommender Unsicherheit


12.10.20 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im September nahm die Unsicherheit am Kapitalmarkt wieder etwas zu, so die Experten von Union Investment.

Zwar wachse die Wirtschaft weiterhin, die Dynamik habe nach den starken Zuwachsraten im Sommer jedoch etwas abgenommen. Darüber hinaus hätten sich in einigen Ländern (insbesondere in Spanien und Frankreich) die Corona-Infektionszahlen deutlich erhöht. Damit sei die Befürchtung einhergegangen, dass es regional zu umfangreichen Einschränkungen kommen könnte. Hinzu seien einige politische Themen gekommen.

So habe sich das Wahlkampfgetöse in den USA mehr und mehr am Kapitalmarkt bemerkbar gemacht und sich letztlich in einer geringen Wahrscheinlichkeit für ein neuerliches US-Konjunkturpaket noch in diesem Jahr geäußert. In diesem Umfeld seien die als sicher geltenden Staatsanleihen aus den europäischen Kernländern gefragt gewesen. Deren Rendite habe sich in kleinen aber stetigen Schritten ermäßigt. Zehnjährige Bundesanleihen hätten Ende September bei -0,52 Prozent und damit unter dem Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB) rentiert. In Summe hätten sich Papiere aus den Kernländern um 1,3 Prozent verteuert.

Anleihen aus den Euro-Peripherieländern hätten etwas stärker zugelegt und im September 1,6 Prozent an Wert gewonnen. Trotz der mitunter risikoaversen Marktstimmung hätten die Papiere somit überraschend fest gehandelt. Als stützend habe sich einerseits die anhaltende Suche nach Rendite und andererseits die fortgesetzten Käufe der EZB erwiesen. Zwischenzeitlich sei es vor den Regionalwahlen in Italien zu einer kleinen Schwächephase italienischer Papiere gekommen. Das Wahlergebnis habe letztlich aber keine negativen Einflüsse auf die Regierungsgeschäfte in Rom gehabt.

In Summe hätten Anleihen aus Italien freundlicher als jene aus Spanien tendiert. Die Regierungskoalition von Pedro Sanchez in Madrid stehe unter Druck und sehe sich nun sogar einem Misstrauensvotum gegenüber. Darüber hinaus leide Spanien unter den neuerlichen Reisebeschränkung. Vielfach löse gerade das Fehlen deutscher Touristen Existenzängste aus.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereigns-Index hätten europäische Staatsanleihen im September ein Plus von 1,4 Prozent erzielt. Seit Jahresbeginn betrage der Zuwachs somit 3,8 Prozent. (Ausgabe vom 09.10.2020) (12.10.2020/alc/a/a)