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Rentenmärkte Eurozone: Italiens Verschuldung stand im Mittelpunkt


11.05.20 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach starken Kursschwankungen im Februar und März kam es am europäischen Rentenmarkt nun zu einer Beruhigung, so die Experten von Union Investment.

Anleihen hätten wieder in engeren Bahnen gehandelt. Anfänglich hätten zunächst jedoch noch größere Kursverluste das Geschehen geprägt. Anleger hätten sich angesichts der umfangreichen Hilfsmaßnahmen um deren Finanzierung gesorgt und die Ausgabe einer Vielzahl an Neuemissionen befürchtet. Zwar seien letztlich tatsächlich viele neue Papiere an den Markt gebracht worden, die Nachfrage danach sei jedoch ausgesprochen hoch gewesen. Einerseits seien hierfür die hohen gewährten Prämien verantwortlich gewesen, andererseits habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren Käufen für Rückenwind gesorgt.

Im weiteren Monatsverlauf seien die Renditen von Anleihen aus den Kernländern weiter zurückgekommen. Dabei hätten sich vor allem die schwachen Konjunkturdaten als stützend erwiesen. Papiere aus den Peripherieländern hätten hiervon hingegen nicht profitieren können. Weitere Neuemissionen seien sukzessive zu einer Belastung geworden. Darüber hinaus hätten sich Anleger mehr und mehr um die hohe Verschuldung Italiens zu sorgen begonnen. Die Ratingagentur Standard & Poors habe vorerst auf eine Herabstufung der Bonität verzichtet. Doch nur wenige Tage später habe Fitch die Bonitätsnote Italiens überraschend schwächer eingeschätzt. Bis zum Jahresende könnte der Schuldenstand auf 156 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung steigen.

Diese Entwicklung sei auch Thema auf dem jüngsten EU-Gipfel gewesen. Ein Teil der Währungsgemeinschaft sehe gerade jetzt die Notwendigkeit, die Schulden zu vergemeinschaften. Mit gemeinsamen Anleihen kämen Krisenstaaten günstiger an frisches Geld. Einige andere Länder, angeführt von Deutschland, würden sich hingegen für umfangreiche Garantien aussprechen und auf die schon etablierten, jedoch nicht genutzten Hilfsmaßnahmen verweisen. Die Debatte wurde letztlich vertagt, sogenannte Corona−Bonds mit gemeinschaftlicher Haftung scheinen aber derzeit vom Tisch zu sein, so die Experten von Union Investment. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index hätten europäische Staatsanleihen im April 0,4 Prozent an Wert hinzugewonnen. Kernanleihen (+1,3 Prozent) hätten sich deutlich besser als Papiere aus der Peripherie (-0,8 Prozent) entwickelt. (Ausgabe vom 08.05.2020) (11.05.2020/alc/a/a)