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Rentenmärkte Eurozone: Italienischer Haushaltsentwurf sorgt für Turbulenzen


11.10.18 11:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am Euro-Staatsanleihenmarkt war im September eine sehr heterogene Entwicklung festzustellen, so die Experten von Union Investment.

Anleihen aus den Kernländern hätten nahezu durchweg unter Abgabedruck gestanden. Viele der zuletzt auftretenden Störfaktoren seien zwar nicht von der Bildfläche verschwunden, aber in den Hintergrund getreten. In der Türkei habe sich die Lage etwas beruhigt, nachdem die dortige Notenbank den Leitzins auf 24 Prozent angehoben habe. Im Handelsstreit zwischen China und den USA seien zumindest vorübergehend sanftere Töne angestoßen worden. Gerüchten zufolge habe man ein Treffen in Washington geplant.

Darüber hinaus hätten sich die beiden populistischen Parteien der italienischen Regierung kompromissbereit gezeigt und lange Zeit einen ersten Haushaltsentwurf vorzulegen versprochen, der die Neuverschuldung um nicht mehr als zwei Prozent steigen lasse. Letztlich habe es noch negative Vorgaben aus den USA gegeben. Dort seien die Renditen in Erwartung einer höheren Inflationsrate angestiegen. In diesem Umfeld hätten Anleger wieder mehr Risiko gewagt und sich von den als sicher geltenden Staatsanleihen getrennt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen habe kurzzeitig die Marke von 0,55 Prozent erreicht. Die guten Nachrichten aus Italien hätten dort für rückläufige Renditen gesorgt. Das Kursplus von Peripherieanleihen sei allerdings fast ausschließlich der Entwicklung in Italien geschuldet gewesen.

Kurz vor dem Monatswechsel sei dann der erste Haushaltsentwurf präsentiert worden. Entgegen den Erwartungen wollten sowohl die Lega Nord als auch die 5-Sterne-Bewegung wesentlich größere Ausgaben tätigen, um ihre Wahlversprechen einzuhalten. Demnach würde die Neuverschuldung um 2,4 Prozent steigen. Die Marktreaktion sei prompt gefolgt: Anleger hätten sich in großen Umfang von italienischen Staatsanleihen getrennt. Ein Teil der Kursgewinne sei dadurch aufgezehrt worden. Umgekehrt hätten Bundesanleihen ihre Verluste wieder aufgeholt. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index hätten Euro-Staatsanleihen im September 0,1 Prozent an Wert verloren. Auffällig sei dabei die erneute Diskrepanz zwischen Kernanleihen (-0,8 Prozent) und Peripherietiteln (+0,9 Prozent) gewesen. (Ausgabe September 2018) (11.10.2018/alc/a/a)