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Rentenmärkte Euro-Outs: Tschechien und Türkei unter Druck


08.11.17 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Europäische Anleihen außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes tendierten im Oktober uneinheitlich, so die Experten von Union Investment.

Kursgewinne habe es in Schweden, Ungarn und der Schweiz gegeben. In Norwegen, Russland und Großbritannien sei der Markt hingegen weitgehend auf der Stelle getreten. In Großbritannien sei vor allem über eine mögliche bevorstehende Zinserhöhung der Bank of England diskutiert worden. Die britische Wirtschaft wachse kaum und auch das Lohnwachstum stagniere. Eigentlich kein Umfeld für eine restriktive Geldpolitik, doch die Inflationsrate sei inzwischen auf drei Prozent gestiegen. Ein schwieriges Unterfangen für die Notenbanker, die Anfang November darüber beraten würden.

Kursverluste und damit höhere Renditen habe es vor allem in Tschechien und der Türkei gegeben. In Tschechien habe Andrej Babis erwartungsgemäß die Parlamentswahlen gewonnen. Der eurokritische Milliardär habe viel versprochen und sich insbesondere an alle Unzufriedenen in seinem Land gewendet. Er verspreche ein anderes Tschechien und mehr Wohlstand, ohne aber ein konkretes Programm zu haben. Man könne ihn durchaus als Trump des Ostens bezeichnen, mit dem Unterschied, dass der Konzernlenker schon Teil der letzten Regierung gewesen sei. Er wisse, wie wichtig politische Stabilität für Unternehmen sei. Nun müsse er sich aber zunächst nach einem Regierungspartner umschauen. Da derzeit jedoch gegen eine seiner 250 Firmen wegen Missbrauch von EU-Geldern ermittelt werde, wollten die demokratischen Parteien nicht mit ihm zusammenarbeiten.

In der Türkei sei es mit den Renditen deutlich aufwärts gegangen. Einerseits würden der Kurdenkonflikt, die Kriege in den Nachbarländern Syrien und Irak sowie die politischen Spannungen mit der westlichen Welt zu Verunsicherung führen. Andererseits wachse die Wirtschaft stark. Im dritten Quartal erwarte der Wirtschaftsminister einen Zuwachs von mehr als neun Prozent. Möglich sei dies durch umfangreiche Investitionen des Staates, allen voran in Infrastrukturprojekte geworden. Die Investitionen und Bürgschaften würden allerdings zeitgleich die Verschuldung erhöhen und die Inflation in die Höhe treiben. Im September seien die Verbraucherpreise um 11,2 Prozent gestiegen. (Ausgabe Oktober 2017) (08.11.2017/alc/a/a)