Rentenmärkte Euro Outs: Tschechien steht vor Erhöhung des Leitzins


12.10.17 10:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Europäische Anleihen außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes mussten im September mehrheitlich steigende Renditen verkraften, so die Experten von Union Investment.

Gute Konjunkturdaten und eine auf globaler Sicht perspektivisch geringere Unterstützung der großen Notenbanken hätten sich belastend ausgewirkt. In den USA hätten die US-Währungshüter den Beginn der Bilanzreduzierung angekündigt. Zudem hätten sie Hinweise auf weitere mögliche Leitzinserhöhungen gegeben.

Im Euroraum stehe überdies eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die EZB unmittelbar bevor. Größere Bewegungen habe es in Tschechien, Großbritannien und der Türkei gegeben. In Tschechien seien es vor allem die guten Wirtschaftsdaten gewesen, die belastet hätten. Im zweiten Quartal habe ein Rekordwachstum erzielt werden können. Schon jetzt würden sich höhere Löhne andeuten. Darüber hinaus sei für Januar nächsten Jahres eine Erhöhung des Mindestlohns geplant. Damit einhergehen würden Sorgen bezüglich eines zunehmenden Inflationsdrucks. Marktteilnehmer hätten somit schon für September mit einer Zinserhöhung der Tschechischen Notenbank gerechnet. Zwar sei diese ausgeblieben, stehe aber weiterhin im Raum. In Großbritannien habe das Britische Pfund aufgewertet, da auch dort eine Zinserhöhung möglich sei. Zwar lasse das Wirtschaftswachstum einen Zinsschritt kaum zu, das Vereinigte Königreich kämpfe aber mit einer anziehenden Inflation.

In Polen, Norwegen, Schweden und der Schweiz habe sich der Renditeanstieg in Grenzen gehalten. Von der freundlichen Seite habe sich lediglich der Rentenmarkt in Russland gezeigt. Einmal mehr sei hierfür die Preisentwicklung bei Energierohstoffen verantwortlich gewesen. Ein fester Ölpreis verbessere die Haushaltslage Russlands und gehe üblicherweise mit Kursgewinnen am Rentenmarkt einher. Die türkische Regierung drohe damit, Öl aus der kurdischen Provinz im Nordirak nicht mehr anzunehmen. Ein Großteil der Öllieferung diene jedoch nicht dem Eigenverbrauch, sondern werde über Pipelines in Richtung Mittelmeer gepumpt. Sollten diesen Lieferungen ausbleiben, würde auf dem globalen Ölmarkt ein Angebotsdefizit entstehen. (Ausgabe September 2017) (12.10.2017/alc/a/a)