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Rentenmärkte: Der Einfluss der höheren Energiepreise auf die Inflation


07.10.21 11:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten gab es in den vergangenen Tagen ein leichtes Auf und Ab mit einer Renditetendenz nach oben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Zehnjährige T-Notes würden derzeit bei 1,54% rentieren, die korrespondierenden Bunds bei -0,17%. An den Aktienmärkten sei es volatiler zugegangen, wobei es im Ergebnis in Europa nach unten gegangen sei, in den USA eher seitwärts. Das wichtigste Thema an den Märkten sei die Inflation und entsprechend spiele die Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten eine zentrale Rolle. Hier habe die OPEC dafür gesorgt, dass der Ölpreis kurzfristig einen Sprung nach oben gemacht habe, als sie zusammen mit den OPEC Plus-Ländern beschlossen habe, an einer monatlichen Ausweitung der Förderung um 400.000 Barrel/Tag festzuhalten. Wesentlich massiver seien die Preise für Erdgas und Kohle in den vergangenen Wochen in die Höhe geschossen.

Die Frage sei, wie sich der bisherige Anstieg bzw. eine weitere Erhöhung dieser Preise auf die Konsumentenpreisinflation niederschlagen würde. In Deutschland mache der Verbrauch im Zusammenhang mit dem Beheizen von Wohnraum und den Kosten an der Tankstelle rund 10% der Gesamtausgaben eines Haushalts aus. Am Primärenergieverbrauch hätten Mineralöl, Erdgas und Kohle zusammen einen Anteil von 76,1% am gesamten Verbrauch. Die höheren Energiekosten dürften von Unternehmen umso eher weitergereicht werden, je länger die Preise auf dem jetzt erhöhten Niveau verharren oder eben sogar noch weiter steigen würden.

In Frankreich habe die Regierung beschlossen, die Preise für Erdgas und Strom bis April 2022 - dann seien Präsidentschaftswahlen - für private Haushalte zu deckeln. Das werde den Inflationsauftrieb dämpfen, aber nicht vollkommen beseitigen, schon gar nicht in der gesamten Eurozone, wo in den meisten Fällen die höheren Energiepreise zunächst weitergegeben würden. Die EU-Kommission wolle nächste Woche einen Maßnahmenkatalog vorlegen, den nationale Regierungen verwenden könnten, ohne gegen die Prinzipien des gemeinsamen Energiemarktes zu verstoßen. Als wesentlich effektiver könnte sich die Ankündigung des russischen Präsidenten Wladimir Putin erweisen, wonach Russland zur Stabilisierung der Erdgaspreise beitragen möchte, die in Europa im Frühjahr noch bei 20 Euro pro Megawatt-Stunde gelegen hätten und zuletzt auf knapp 120 Euro gestiegen seien, bevor sie nach der Putin-Ankündigung gesunken seien.

Grundsätzlich würden die Analysten an ihrer Prognose festhalten, dass die Inflation kurzfristig noch steigen und dann im kommenden Jahr aufgrund von Basis- und Sondereffekten wieder sinken werde. Für 2023 würden die Analysten dann erneut einen Anstieg erwarten. Das Risiko, dass sich die derzeit höheren Inflationszahlen in steigenden Inflationserwartungen niederschlagen würden, sei jedoch gestiegen und damit auch die Gefahr, dass es zu Lohn-Preis-Spiralen komme. Notenbanken seien nicht sonderlich geübt darin, mit derartigen Situationen umzugehen. Denn auf der einen Seite liege es nicht nahe, eine unter Angebotsengpässen leidende wirtschaftliche Aktivität - beispielsweise sei die Industrieproduktion in Deutschland im August um 4% MoM eingebrochen - mit Zinserhöhungen zusätzlich zu belasten, auf der anderen Seite koste es Glaubwürdigkeit, lasse man die Inflation ohne Gegenmaßnahmen über einen längeren Zeitraum über 4 oder 5% steigen.

In den nächsten Tagen werde man beobachten müssen, welche Fortschritte die möglichen Koalitionäre einer künftigen Regierung in Deutschland machen würden. Die Finanzmärkte scheinen sich allmählich auf eine Ampel-Koalition einzustellen, aber bis weißer Rauch über Berlin zu sehen ist, wird es sicherlich noch ein paar Wochen dauern, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Auf weißen Rauch würden Investoren auch in den USA warten, wo man einer temporären Erhöhung der Schuldenobergrenze bis Dezember nähergekommen zu sein scheine. Ein Zahlungsausfall um den 18. Oktober herum würde damit abgewendet sein. Die angebliche Lösung, dass die Regierung eine Platinmünze mit dem Nennwert von 1 Billion US-Dollar präge, sei vermutlich in der Biden-Administration nicht ernsthaft diskutiert worden. Weiter sollte man die Evergrande-Saga in China im Auge behalten, nachdem mittlerweile ein anderer Immobilienentwickler, Fantasia Holding Group Co., eine Zahlung von 206 Mio. US-Dollar auf einen fälligen Bond nicht geleistet habe.

Datenseitig sei morgen (08.10.) auf den US-Arbeitsmarkt zu achten. Eine Zahl, die deutlich unter einem Beschäftigungszuwachs von 200.000 Personen liege, dürfte zu einer Verschiebung des Beginns des Tapering der FED führen. Achten sollte man außerdem auf die CPI-Inflationszahlen aus den USA (13.10., September), die US-Großhandelspreise (14.10., September) sowie die Inflationszahlen aus Frankreich und Italien (15.10., Oktober). (07.10.2021/alc/a/a)