Rentenmärkte: Bundesanleihen hielten sich erstaunlich gut


01.11.18 14:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der moderate Preisauftrieb in Europa hält an, so die Analysten der Helaba.

Der Anstieg der Inflationsrate habe mit 2,2% bzw. einer Kernrate von 1,1% die Erwartungshaltung getroffen und habe deshalb nur begrenzten Einfluss auf das Marktgeschehen gehabt. Zusätzlicher Druck baue sich angesichts der niedrigen Kernteuerung zudem für die EZB nicht auf.

Gute Vorgaben von Wall Street und den asiatischen Aktienmärkten sowie ein überraschend positiver Quartalsbericht von General Motors mit optimistischem Geschäftsausblick hätten Anleger zur Wochenmitte bei Laune gehalten und habe für einen halbwegs versöhnlichen Monatsausklang gesorgt.

Trotz guter Laune auf dem Börsenparkett hätten sich Bundesanleihen erstaunlich gut gehalten. Index-Anpassungen zum Monatsende sowie hoher Anlagebedarf hätten zur stabilen Verfassung des Marktes beigetragen. Zudem würden latente Risikofaktoren wie Italien, Brexit oder Handelsstreit nicht vernachlässigt. Ultralange Laufzeiten seien bei unterdurchschnittlichen Umsätzen noch am ehesten gesucht gewesen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich um 1,5 BP auf 63,5 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,77%) und Frankreich (0,75%) hätten gegen Bunds knapp einen BP aufgeholt.

Anleihen der EU-Peripherie seien bei nahezu umsatzlosem Geschäft angeführt von italienischen Titeln besser nachgefragt gewesen. Pressemeldungen, wonach das "wirkliche" Haushaltsdefizit Roms eher bei 2% denn bei 2,4% liege, hätten die Kurse gestützt. Der Risikoabstand 10-jähriger italienischer Anleihen (3,42%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 5 BP ermäßigt. In diesem Fahrwasser hätten spanische (1,54%) und portugiesische Bonds (1,86%) die Abschläge vom Vortag wieder aufgeholt und gegen Bunds 3 bzw. 2 BP gut gemacht.

Am US-Bondmarkt seien die Kurse angesichts steigender Aktienkurse gefallen. Widersprüchliche Konjunkturdaten hätten im Schatten guter Unternehmensnachrichten gestanden. Der ADP-Report (227K) spreche wie nicht anders zu erwarten für einen robusten Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der Rückgang des Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago von 60,4 auf 58,4 stelle das Wachstumsszenario nicht wirklich in Frage. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe bei 41 BP verharrt. In Fernost würden US-Treasuries weiter zur Schwäche neigen. Die asiatischen Aktienbörsen würden keine einheitlichen Vorgaben liefern. Der Nikkei habe knapp ein Prozent verloren, chinesische Dividendentitel seien dagegen gesucht. Der Caixin China PMI des Verarbeitenden Gewerbes sei geringfügig von 50 auf 50,1 Punkte gestiegen und habe sich somit knapp im Expansionsbereich gehalten.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (160,26) habe 2 Stellen verloren, Bobl (131,44) und Schatz (111,985) seien 3 Ticks niedriger bzw. unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,385% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 100,5 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden einen BP höher bei 3,15% rentieren. Der Euro verharre bei 1,134 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 65 Dollar.

Am ersten Tag im November, in einigen Bundesländern ein Feiertag, stünden die Umfragen bei den Einkaufsmanagern des Verarbeitenden Gewerbes in Großbritannien (53 nach 53,8) auf dem Datenfahrplan. Daneben rücke die geldpolitische Sitzung der Bank von England ins Blickfeld. Aktualisierte Konjunkturprognosen und die mit dem Brexit verbundene Verunsicherung dürften den Rat aber in seiner abwartenden Haltung bestätigen.

In den Vereinigten Staaten richte sich die Aufmerksamkeit auf den ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes (59 nach 59,8), die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (212K) sowie die PKW-Absatzzahlen (17,05 Mio.) am späten Abend. Produktivität (2,1%) und Lohnstückkosten (1,1%) des abgelaufenen Quartals dürften nur am Rande interessieren.

Am Primärmarkt seien in dieser Woche keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner mehr geplant. FINNVERA PLC, garantiert von der Republik Finnland, habe eine 10-jährige Anleihe im Volumen von 500 Mio. Euro 11 BP unter Midswap begeben. Das amerikanische Schatzamt versteigere in der kommenden Woche 3-, 10- und 30-jähriger Treasuries im Volumen von 37, 27 bzw. 19 Mrd. USD. Die Erhöhung um jeweils 1 Mrd. USD habe nicht überrascht. (01.11.2018/alc/a/a)