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Rentenmärkte: Ausblick EZB-Sitzung - Reduktion von PEPP in diesem Jahr


09.09.21 11:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei der heutigen EZB-Sitzung (09.09.) wird es in erster Linie um das PEPP-Ankaufprogramm gehen und wann dieses reduziert wird, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Zur Erinnerung: Anfang des Jahres habe man im Rahmen dieses Programms rund 60 Mrd. Euro pro Monat an Anleihen angekauft. Dann habe die EZB auf der März-Sitzung angekündigt, das Volumen "signifikant" zu erhöhen, was als Reaktion auf die in dieser Zeit steigenden langfristigen US-Renditen habe interpretiert werden können. Seitdem habe sich überraschenderweise der Renditeanstieg in den USA trotz guter Konjunkturentwicklung nicht fortgesetzt, sondern die Renditen hätten vielmehr den Rückwärtsgang eingelegt. Diese Bewegung hätten die Bunds hierzulande nachvollzogen.

Insofern hätten sich die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen - und auf die komme es letztlich laut Aussagen des EZB-Chefvolkswirt Philip Lane an - verbessert. Lane habe daher schon im August in einem Interview angedeutet, dass eine Reduktion der Anleiheankäufe auf das Niveau vom Beginn des Jahres gerechtfertigt sein könnte. Das sei es auch, was die Märkte eingepreist hätten, weswegen die Reaktion der Rentenmärkte auf eine derartige Entscheidung nur gering ausfallen dürfte.

Gleichzeitig rücke aber auch das Ende des PEPP-Ankaufprogramms näher. Bislang sei festgelegt, dass das 1.850 Mrd. Euro-Programm, von dem 1.340 Mrd. Euro bereits genutzt worden seien, bis März 2022 laufe. Vermutlich werde die EZB-Chefin Christine Lagarde sagen, dass man noch nicht darüber gesprochen habe, wie es danach weitergehe. Einige Marktbeobachter würden sich allerdings Gedanken darüber machen, ob das Programm plötzlich auslaufen werde oder ob es einen Übergang gebe. Grundsätzlich könnte das PEPP-Programm verlängert werden.

Wenn man davon ausgehe, dass im kommenden Jahr die Pandemie in der Eurozone einigermaßen unter Kontrolle sei, passe die hohe Flexibilität des Programms und sein Name (Pandemic Emergency Purchase Programme) aber nicht mehr zu der Situation. Wahrscheinlicher sei es, dass das parallel laufende APP-Programm, in dessen Rahmen 20 Mrd. Euro pro Monat an Anleihen gekauft würden, im Frühjahr 2022 aufgestockt werde, um auf diese Weise einen Klippeneffekt am Rentenmarkt zu vermeiden. Für dieses Programm gebe es kein festes Enddatum.

Über all diesen Themen schwebe natürlich die jüngste Entwicklung der Inflation. Die liege mittlerweile bei 3,0% YoY für die Eurozone, angeführt von Deutschland (3,4%) und Spanien (3,3%). Für die EZB werde es in erster Linie darauf ankommen, wie sich die Inflationserwartungen entwickeln bzw. ob sich höhere Inflationserwartungen in den Lohnabschlüssen niederschlagen würden. Wichtig werde außerdem sein, was die EZB selber für die Teuerungsrate erwarte. Es würde überraschen, wenn die EZB ihre Inflationsprognose nicht anhebe. Das gelte für dieses Jahr (bisher: 1,9%), aber auch für das kommende Jahr (bisher: 1,5%) und eventuell für 2023 (bisher: 1,4%).

In den neuen Prognosen der EZB dürfte 2021 das Inflationsziel von 2,0% überschritten und 2022 und 2023 unterschritten werden. Dies würden die Analysten ähnlich mit dem wichtigen Unterschied sehen, dass 2023 die Inflation wieder anziehen und höher liegen sollte als 2,0%. Dies habe mit strukturellen Anpassungen zu tun wie etwa die Entscheidung von Unternehmen, ihre Lieferketten resilienter aufzustellen, was mit höheren Kosten verbunden sei.

Warum seien die Inflationsprognosen der EZB so wichtig? Diese Erwartungen würden in die so genannten Forward Guidance der EZB einfließen, denn die EZB habe gesagt, dass sie den Leitzins erst anheben werde, wenn erstens die Inflation 2% erreiche und zweitens diese über den Projektionszeitraum bei 2% bleibe. Die zweite Bedingung dürfte auch unter den neuen Projektionen nicht erfüllt sein.

Lagarde werde von den Journalisten sicherlich auch auf den bei der letzten Sitzung kommunizierten Punkt angesprochen werden, dass es aus Sicht der EZB kein Problem sei, wenn die Inflation vorübergehend moderat über dem Zielwert liege. Jetzt liege die Inflation bei 3% und die Frage sei, ob man das noch als moderat über dem Zielwert bezeichnen könne. Mit anderen Worten: Sei die hohe Inflation jetzt doch ein Problem und wenn ja, warum reagiere man nicht?

Würden gezielte Langfristtender bei der Sitzung eine Rolle spielen? Im Rahmen des TLTRO III-Programms gebe es noch eine Zuteilung in diesem Monat und eine im Dezember. Weitere seien erstmal nicht vorgesehen. Philip Lane habe signalisiert, dass man hier noch Zeit hätte. Vermutlich werde man genau beobachten, wie hoch die Nachfrage nach den Refinanzierungsgeschäften ausfalle, um abzuschätzen, ob sich weitere Geschäfte lohnen würden. Im März sei das Volumen noch relativ hoch ausgefallen (331 Mrd. Euro), im Juni dagegen schon deutlich niedriger (110 Mrd. Euro). Insofern werde man vermutlich im Oktober darüber entscheiden. Daher dürften auch die Konditionen für die TLTRO-Geschäfte unverändert fortbestehen.

Datenseitig sei nächste Woche (14.09.) auf die US-Inflationsdaten (CPI für August) zu achten. In der Eurozone werde die Industrieproduktion für Juli veröffentlicht (15.09.), die erneut die Lieferengpässe widerspiegeln dürfte. Wichtig seien auch die Einzelhandelsumsätze in den USA für den Monat August (16.09.) und die Frage, ob der Konsum angesichts eines schwächeren Arbeitsmarktes und geringerer Arbeitslosenunterstützung leiden werde. Die neuen Aufträge für die deutsche Industrie dürften weiterhin gut aussehen (17.09.), aber so lange die Lieferprobleme anhalten würden, könnten sich die Unternehmen nur bedingt etwas dafür kaufen. (09.09.2021/alc/a/a)