Renten: Der nächste shutdown der öffentlichen Verwaltung in den USA ist eingeleitet


09.02.18 09:46
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die Blicke der Anleger richten sich einmal mehr auf die Bewegung auf den Aktienmärkten, so die Analysten der National-Bank AG.

Gestern Abend seien die US-Titel erneut unter erheblichen Abgabedruck gekommen. Diese Bewegung habe heute Morgen ihre Fortsetzung in Asien gefunden. Es dürfte sich dabei um eine weitere Runde an Gewinnmitnahmen gehandelt haben. Ein Auslöser könnte die Erklärung der britischen Notenbanker gestern Mittag gewesen sein, wonach die Bank of England die Zinszügel bald erneut anziehen könne. Mehr und mehr werde deutlich, dass die Notenbanken weltweit ihre Geldpolitik in Richtung Straffung ändern würden. Zudem würden sich viele Investoren fragen, wer die ganzen Staatsanleihen der USA aufnehmen werde, wenn sich das Haushaltsdefizit der USA durch die fiskalischen Maßnahmen erheblich ausweite. Zugleich sei ja auch die US-Notenbank im Zuge ihres Bilanzabbaus auf der Verkäuferseite.

Die Anleger würden sich also auf weiter steigende Renditen einstellen. Dementsprechend hätten die Verkäufe an den Aktienmärkten den Kursen der US-Treasuries oder der Bundesanleihen gestern kaum zu Kursgewinnen verholfen. Die Renditen seien nur sehr leicht zurückgegangen. Wahrscheinlich würden die Investoren die aus Aktienverkäufen generierte Liquidität nun eher im Geldmarkt parken, was für USD basierte Investoren in Anbetracht der Geldmarktsätze durchaus sinnvoll sei, für Euro basierte Anleger jedoch nicht. Im gestrigen Marktumfeld habe sich Griechenland mit einer neuen 7-jährigen Staatsanleihe emittiert via Syndikat an den Markt getraut. Die lang angekündigte Emission sei den platzierenden Banken nicht gerade aus den Händen gerissen worden. Dennoch könne man die Emission durchaus als erfolgreich bezeichnen.

Daneben drohe den USA der nächste shutdown der öffentlichen Verwaltung. Bis Mitternacht sei es im Senat zu keiner Abstimmung gekommen. Ein einzelner republikanischer Senator habe die Abstimmung mit der Begründung verhindert, dass er die erhebliche Ausweitung der Verschuldung nicht hinnehmen könne. Dementsprechend würden die Vorbereitungen für die Schließung der Verwaltung beginnen. Es gelte allerdings als sehr wahrscheinlich, dass es heute doch zu einer Abstimmung im Senat kommen werde, wobei es dann eine Mehrheit für den Haushalt geben dürfte. Dann müsse jedoch noch das Repräsentantenhaus zustimmen, wobei sich dort erheblicher, parteiübergreifender Widerstand gegen den Gesetzentwurf des Senats formiert habe. Washington und mit ihm den Kapitalmärkten stehe also ein heißes Wochenende bevor. Die Glaubwürdigkeit der USA nehme jedenfalls Schaden.

Konjunkturdatenseitig seien bereits Preisdaten für Januar aus China veröffentlicht worden. Erwartungsgemäß habe die Teerungsdynamik sowohl auf den Vor- als auch den Endstufen abgenommen. Im Laufe des Vormittags würden Informationen zur Industrieproduktion aus Italien und Frankreich für den Monat Dezember veröffentlicht. Sie dürften zeigen, dass das Produzierende Gewerbe in beiden Ländern allmählich in Schwung komme.

Mit den Vorgaben aus dem asiatischen Handel dürfte der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) freundlich eröffnen. Die meisten Anleger würden sich die Entwicklung von der Seitenlinie anschauen und sich nicht aktiv positionieren. Der Bund-Future dürfte sich zwischen 157,30 und 158,80 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,75 und 2,91% schwanken. (09.02.2018/alc/a/a)