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Renten: Mit massiven Renditeanstiegen kurzfristig kaum zu rechnen?


16.11.20 12:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach gewissen Verirrungen scheint nun die US-Präsidentschaftswahl tatsächlich vom Herausforderer Joe Biden gewonnen worden zu sein, so Dr. Tobias Basse und Bernd Krampen von der NORD/LB.

Die verbliebenen juristischen Optionen des noch amtierenden Präsidenten dürften nur noch gering sein.

Die zwischenzeitliche Euphorie über die Meldung eines effizienten Impfstoffs zu Beginn vergangener Woche mit einem Hochschießen auch der Renditen der Staatsanleihen beiderseits des Atlantiks sei wieder ein wenig abgeklungen. Dennoch könnten weitere (zu erwartende) Nachrichten beim Wettlauf um neue medizinische Möglichkeiten gegen Covid-19 für Bewegungen an den Rentenmärkten führen. Auch wenn zunächst der Winter auf der Nordhalbkugel die Infektionszahlen hochhalten dürfte, sollten perspektivisch doch die positiven Meldungen zu Impfstoffen und Medikamenten zunehmen. Dies müsste einen "sukzessiven Game Changer" bewirken und die Renditen im Zeitablauf langsam ansteigen lassen. Jene der US-Treasuries dürften dabei aufgrund einer relativ stärkeren konjunkturellen Stabilität schneller anziehen, womit eine Spreadausweitung zu Bunds einhergehen werde.

Andererseits seien angesichts eines vermutlich geteilten US-Kongresses die unter einer "blauen Welle" erhofften massiven fiskalpolitischen Stimuli in dieser Form nicht zu erwarten, sodass es zu massiven Renditeanstiegen aber auch nicht kommen werde. Bei dem aktuellen Infektionsgeschehen und den erneuten Lockdowns würden zudem die Notenbanken global gesehen weiterhin ausreichend Geld zur Verfügung stellen und diese Liquidität müsse irgendwo angelegt werden. Genau das werde neben den Rentenmärkten auch Aktienmärkte und den Goldmarkt stabil halten. Mit massiven Renditeanstiegen sei kurzfristig also kaum zu rechnen - auf Sicht von zwölf Monaten dürfte eine konjunkturelle Erholung aber durchaus zu (leicht) höheren Renditen führen.

Von der Datenseite würden in dieser Woche vor allem Zahlen aus den USA interessieren. So stünden am Dienstag die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion, am Mittwoch die Baudaten und am Donnerstag der Philadelphia-Index an. Zudem würden in den kommenden Tagen die Verhandlungen beim Brexit im Fokus stehen. Sollte noch ein Soft Brexit - also mit einem gewissen Verhandlungsergebnis - erreicht werden, wovon wir weiterhin eher noch ausgehen, müsste bis spätestens Anfang Dezember der "Gordische Knoten" langsam aber sicher durchschlagen werden, so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe 47 vom 16.11.2020) (16.11.2020/alc/a/a)