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Renten: Nach freundlichem Auftakt rückläufige Notierungen


13.11.17 09:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Euphorie nach der EZB-Entscheidung vom 26. Oktober folgend zeigten sich die europäischen Rentenmärkte zum Auftakt der letzten Woche zunächst von ihrer freundlichen Seite, so die Experten von Union Investment.

Staatspapiere aus dem Euroraum hätten weitere Zugewinne respektive rückläufige Renditen verzeichnet. Gleichzeitig habe es ein nur vergleichsweise geringes Angebot an neuen Papieren gegeben, sodass der Druck von Neuemissionsseite in den vergangenen Handelstagen als eher gering einzustufen gewesen sei. Bei jenen Papieren, die platziert worden seien, habe es sich hauptsächlich um Aufstockungen (taps) gehandelt. Im Blickpunkt habe am Primärmarkt Portugal gestanden, das eine Anleihe im Gegenwert von einer Milliarde Euro erfolgreich platziert und dabei die Renditemarke von 2 Prozent unterschritten habe. Mit 1,9 Prozent sei die Verzinsung portugiesischer Zehnjahresbonds am Dienstag auf ein Jahrestief gefallen. Zum Vergleich: Noch im März habe die portugiesische Zehnjahresrendite bei 4,23 Prozent gelegen. Die Verzinsung habe sich damit mehr als halbiert.

Ab Donnerstag habe dann der Markt deutlich gedreht. Ein Statement des EZB-Direktoriumsmitglieds Coeuré habe verstimmt. Dieser habe deutlich gemacht, dass das Anleiheankaufprogramm der EZB nicht zur Dauereinrichtung werden könne und auf technische Grenzen verwiesen, auf die die EZB künftig unweigerlich stoßen werde. Dies seien im Prinzip keine neuen Fakten gewesen, diese seien im bisherigen Jahresverlauf bereits ausgiebig diskutiert worden. Die Äußerungen hätten aber nunmehr auf den sehr überkauften Markt getroffen. Somit sei die Neigung vieler Anleger, nun einmal Gewinne mitzunehmen, hoch gewesen. Sowohl in den Kernmärkten als auch in der Peripherie hätten damit die Renditen im Vergleich zur Vorwoche per Saldo etwas angezogen. Lediglich in Portugal sei die Verzinsung zehnjähriger Papiere bis Freitagmittag knapp unterhalb der Marke von 2 Prozent geblieben. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereign) habe somit leicht im Minus gelegen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe um einige Basispunkte steiler tendiert. Auch am US-Markt seien über alle Laufzeiten hinweg leicht anziehende Renditen zu beobachten gewesen.

Die politische Lage in Saudi-Arabien und im Libanon sowie die Restrukturierung der Auslandsschulden Venezuelas hätten das Geschehen an den Emerging Markets (EM)-Rentenmärkten bestimmt. Auf Gesamtmarktebene (J.P. Morgan EMBIG-Index) hätten sich die Risikoprämien um bis zu 20 Basispunkte ausgeweitet und damit wieder über die 300er Marke geklettert. Im kurz vor der Insolvenz stehenden Venezuela sei alles offen. Die 160 Milliarden US-Dollar ausstehenden Auslandsschulden würden derzeit mit rund 40 Milliarden US-Dollar gehandelt. Handelssanktionen seitens der USA würden eine schnelle Lösung erschweren. Dennoch hätten die in EM-Bonds investierenden Fonds weltweit wieder rund 570 Millionen US-Dollar an frischen Anlagemitteln generieren können.

Der für europäische Investment Grade-Unternehmensanleihen repräsentative BofA Merrill Lynch Euro Corporate-Index habe zur Wochenmitte einen neuen Jahreshöchststand erzielt. Viele Unternehmen hätten in der nun abflauenden Berichtssaison ihre Zahlen zum 3. Quartal präsentiert und dabei die Erwartungen der Anleger gut erfüllt. Gleichzeitig habe die Neuemissionstätigkeit, vor allem im US-Dollar-Bereich, wieder etwas zugenommen. Dennoch hätten sich auch Unternehmensanleihen nicht den allgemeinen Gewinnmitnahmen entziehen können und zum Wochenschluss wieder einiges an Terrain abgegeben. (Ausgabe vom 10.11.2017) (13.11.2017/alc/a/a)