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Renten: Zwischen historisch und unspektakulär


09.10.20 14:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Während in Italien die Renditen neue historische Tiefs markieren, gibt es bei deutsche Renten seit Monaten nur wenig Neues zu verzeichnen, so die Analysten der Helaba.

Auch im EZB-Rat würden sich altbekannte Muster wiederholen: Einige Mitglieder würden mit Blick auf die jüngste Inflationsentwicklung neue Maßnahmen fordern, andere wollten angesichts der positiven Entwicklung an den Kapitalmärkten bereits wieder das monatliche Ankaufvolumen drosseln.

Mit dem Absinken der Euro-Teuerung in den negativen Bereich würden sich verstärkt die Tauben im EZB-Rat wie Vizechef de Guindos zu Wort melden und die krisenbedingt schwachen Inflationserwartungen mit dem EZB-Instrumentarium zu bekämpfen fordern. In der Tat würden an den Terminmärkten die 5J/5J-Inflation-Forwards für den Euroraum zuletzt nur bei knapp 1,2% notieren. Allerdings sollte auch erwähnt werden, dass sich die Erwartungen seit März, als sie auf 0,7% eingebrochen seien, wieder deutlich erholt hätten und mittlerweile auf einem Niveau notieren würden, dass es bereits vor Corona gegeben habe.

Zudem sei im kommenden Jahr aufgrund von Basiseffekten, Konjunkturerholung und steigenden Ölpreisen mit einer spürbaren Gegenbewegung zu rechnen. Die EZB sollte diese Entwicklungen besser abwarten, bevor sie dieses Thema zum Anlass nehme, den geldpolitischen Expansionsgrad nochmals auszuweiten. Zudem sei noch nicht absehbar, welche Wirkung der enorme Liquiditätsimpuls der Notenbanken weltweit auf die mittel- und langfristige Inflationsentwicklung haben werde. Die Geldmengen nicht nur im Euroraum hätten zuletzt ein sehr starkes Wachstum aufgewiesen.

Von besonderer Bedeutung für die EZB sei im aktuellen Umfeld vor allem die Entwicklung der Risikoaufschläge. Hier habe sich die Lage zuletzt sogar weiter entspannt. Der Abstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen sei im zehnjährigen Bereich auf 1,2 Prozentpunkte gesunken, den tiefsten Stand seit April 2018. Absolut betrachtet hätten 10-jährige italienische Staatsanleihen mit 0,7% sogar ein historisches Tief erreicht. Noch nie habe sich Italien so günstig an den Kapitalmärkten finanzieren können. Dazu beigetragen hätten neben den Kaufprogrammen der EZB, der Wiederaufbaufonds der EU und vermutlich auch das zuletzt vergleichsweise moderate Infektionsgeschehen in Italien.

Weniger spektakulär falle dagegen die Entwicklung der deutschen Kapitalmarktzinsen aus. Seit Mitte Juni schwanke die Rendite 10-jähriger Bunds in einem Bereich von -0,4% und -0,6%. Zuletzt habe sie sich zwar in Richtung untere Grenze des Seitwärtsbandes orientiert. Vermutlich, weil aufgrund wachsender Corona-Sorgen weitere Maßnahmen der EZB wahrscheinlicher geworden seien. Allerdings spreche das Konjunktur- und Inflationsszenario der Analysten eher dafür, dass Bunds am Jahresende am oberen Rand bei -0,4% notieren würden. Tendenziell dürfte sich die Rendite im kommenden Jahr einen neuen, etwas höher liegenden Gravitationsbereich suchen - vermutlich im Bereich von -0,2%. Dabei spiele neben zyklischen Themen auch die wachsende Staatsverschuldung eine Rolle. (09.10.2020/alc/a/a)