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Renten: Wenig Bewegung vor der EZB-Sitzung


04.09.17 11:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der am Donnerstag anstehenden geldpolitischen Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegten sich die europäischen Staatsanleihemärkte in engen Spannen, so die Experten von Union Investment.

Auf Gesamtmarktebene (iBoxx Euro Sovereign) habe der Markt mit plus 0,2 Prozent leicht hinzugewonnen. Der in der Berichtswoche veröffentliche ifo-Geschäftsklimaindex für die deutsche Wirtschaft habe im August auf hohem Niveau stagniert. Mit 115,9 nach 116 Punkten sei der Gesamtindex im August nur sehr geringfügig gefallen und gebe eine sehr gute Stimmung in der deutschen Wirtschaft wieder. Trotz der starken Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, der Diesel-Krise in der deutschen Wirtschaft und der politischen Unsicherheiten. Leicht rückläufig habe sich - angesichts der Diesel-Problematik - der Einzelhandel gezeigt. Auch hätten die Geschäftserwartungen ein wenig nachgegeben, was für den minimalen Rückgang des Gesamtindexes gesorgt habe. Die gute wirtschaftliche Lage der deutschen Wirtschaft sei auch vom Statistischen Bundesamt bestätigt worden. In den detaillierten Daten zum 2. Quartal habe dieses einen breiten wirtschaftlichen Aufschwung testiert.

Wenig beeindruckt von den guten Daten habe sich der deutsche Rentenmarkt gezeigt. Leichte Kursgewinne bei den Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten die Renditen per Freitagmittag um zwei Basispunkte auf 0,36 Prozent nachgeben lassen. Die Zinsstrukturkurve habe sich über alle Laufzeiten hinweg um ein bis zwei Basispunkte geringfügig nach unten bewegt. Sichere Staatsanleihen würden derzeit trotz der guten Wirtschaftsdaten von politischen Unsicherheiten profitieren, die sich aus dem Konflikt um Nordkorea und der US-Administration ergeben würden. Angesichts der moderaten Inflationsentwicklung gebe es für die Anleger keinen Grund, sichere Staatspapiere abzustoßen.

In Frankreich habe die Rendite um drei Basispunkte auf 0,66 Prozent nachgegeben. Gegen Wochenschluss seien am Markt Gerüchte kursiert, dass die EZB am kommenden Donnerstag keine Entscheidung bezüglich einer Verringerung ihrer Anleiheankäufe bekanntgeben werde. Dies habe vor allem italienische Staatspapiere unterstützt. Der italienische Bondmarkt sei in der Vorwoche im Rahmen eines Presseartikels, in dem die Schuldentragfähigkeit der Italiener in Frage gestellt worden sei, unter Druck geraten. Italien würde im Falle eines vorerst weiter wie bisher fortgeführten Ankaufverhaltens der Zentralbank profitieren. Die Zehnjahresrenditen hätten etwas nachgegeben und sich am Freitagmittag wieder der Zwei-Prozentmarke genähert.

Zum Monatsende scheine der noch kürzlich sich im Sommermodus befindende Primärmarkt bei den Unternehmensanleihen erwacht zu sein. Am Donnerstag sei der Startschuss zur von den Experten erwarteten Neuemissionswelle gefallen. Gleich acht Unternehmen, unter anderem Barclays, Vonovia und LafargeHolcim, seien an den Markt gekommen und hätten ihre neuen Anleihen platziert. Angesichts des in jüngster Vergangenheit zu beobachtenden Mangels an neuen Papieren hätten die Mehrheit der Unternehmen ihre ambitionierten Konditionen durchsetzen können. Die Papiere seien für die Anleger zu teils teuren Konditionen erfolgreich platziert worden.

Am Markt für Anleihen aus den Schwellenländern habe hingegen noch Zurückhaltung geherrscht. Angesichts des am Montag anstehenden US-Feiertages (Labour Day) hätten sich die Emittenten vor dem langen Wochenende noch zurückgehalten. Aber auch hier würden die Experten ein Anspringen der Neuemissionstätigkeit erwarten. Vor allem würden zunächst zahlreiche Platzierungen aus Asien erwartet. (Marktticker vom 01.09.2017) (04.09.2017/alc/a/a)