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Renten: Verbraucherpreise treiben laufende Verzinsung


05.11.21 09:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - In den USA ziehen die Verbraucherpreise weiter an, so die Analysten von Postbank Research.

Im September sei die Inflationsrate mit 5,4% auf ein 13-Jahres-Hoch geklettert. Sie habe damit nicht nur die Erwartungen von 5,3% leicht übertroffen, sondern habe auch den fünften Monat in Folge über der Marke von 5% gelegen. Inzwischen würden immer mehr Marktakteure damit rechnen, dass sich der Anstieg als dauerhaft erweisen könnte. Insbesondere die Entwicklung bei den Wohnkosten, die zuletzt um 3,2% zugelegt hätten, lasse wegen ihres nachhaltigen Charakters aufhorchen. Eine Kerninflation über der von der US-Notenbank Federal Reserve ausgegebenen Zielmarke von 2% könnte die FED zu einer vorzeitigen Zinsanhebung veranlassen.

Die Märkte würden mittlerweile für 2022 knapp zwei Zinserhöhungen einpreisen. Insbesondere die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen hätten in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt und mit zuletzt 0,56% (28.10.) ihren höchsten Stand seit Pandemiebeginn im März 2020 markiert. Der vorübergehende Rückgang der zehnjährigen Renditen sei der Logik gefolgt, dass vorgezogene Leitzinserhöhungen den Preisanstieg bremsen könnten und im Endeffekt insgesamt weniger Zinsschritte nötig sein würden, um die Inflationsraten schneller wieder auf Normalniveau zu drücken. Eine nachhaltige Trendwende habe sich aber nicht eingestellt. Zehnjährige US-Staatstitel hätten zuletzt wieder kurzzeitig bei 1,70% rentiert.

Neben den Inflationsrisiken könnte in den kommenden Monaten eine geringere Nachfrage nach US-Staatsanleihen deren Kurse unter Druck setzen - und im Gegenzug zu einer höheren laufenden Verzinsung beitragen. Zwei Aspekte würden hier eine Rolle spielen: Zum einen hätten die US-Bundesstaaten sowie deren Lokalregierungen vom Finanzministerium seit Pandemiebeginn im Frühjahr 2020 insgesamt 683 Milliarden US-Dollar an direkte Unterstützung erhalten.

Im selben Zeitraum seien deren Bestände an US-Schuldtiteln auf insgesamt rund eine halbe Billion US-Dollar angestiegen. Ein Großteil der direkten Unterstützungen dürfte also bis zur endgültigen Auszahlung an Unternehmen und Bürger in US-Staatsanleihen reinvestiert worden sein. Würden diese Wertpapiere in den kommenden Monaten sukzessive fällig, dürften die bisherigen Inhaber zunehmend als Nachfrager ausfallen. Grund: Sie müssten für die anstehenden Auszahlungen an Unternehmen und Haushalte entsprechende Barmittel vorhalten.

Zum anderen werde die FED voraussichtlich noch dieses Jahr damit beginnen, ihre Staatsanleihekäufe schrittweise um zehn Milliarden US-Dollar monatlich zu reduzieren. Parallel sollte das Angebot an US-Treasuries steigen, sobald das US-Finanzministerium nach einer politischen Einigung über die US-Schuldenobergrenze, den Haushalt 2021/22 und das Infrastrukturpaket die momentan eingeschränkte Emissionstätigkeit hochfahre.

In Großbritannien könnten aufgrund der galoppierenden Erdgaspreise die Heizkostenabrechnungen für dieses Jahr um 25 bis 30% steigen. Wenn diese um den April 2022 herum fällig würden, könnte dies eine Inflationsrate von 4,5% oder mehr zur Folge haben. Nun würden die Marktteilnehmer bereits im Dezember von der Bank of England einen ersten Zinsschritt erwarten - bislang sei der für Februar 2022 eingepreist gewesen. So sei es nicht verwunderlich, dass innerhalb eines Monats die Renditen britischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von 0,75% vorübergehend bis auf rund 1,2% angestiegen seien - deutlich dynamischer als in den anderen G7-Staaten. Ende Oktober hätten die Gilts bei knapp 1,10% rentiert. (Perspektiven November 2021) (05.11.2021/alc/a/a)