Erweiterte Funktionen

Renten: Unsicherheit wegen Italiens bremst Renditeanstieg bei Bundesanleihen aus


03.10.18 12:46
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Renditen am deutschen Rentenmarkt sind im September über weite Strecken deutlich gestiegen, berichten die Analysten von Postbank Research.

Habe die 10-jährige Bundrendite zu Monatsbeginn noch bei 0,33% gelegen, so sei sie bis zum 25. September auf 0,54% geklettert. Grund hierfür sei insbesondere eine Forcierung der längerfristigen Zinserwartungen für den Euroraum gewesen, was sich in einem stärkeren Anstieg der Renditen am langen Ende und einer entsprechenden Versteilerung der Kapitalmarktkurve widergespiegelt habe. Während die 10-jährige Bundrendite nämlich um 22 Basispunkte zugelegt habe, habe sich die Rendite im 2-jährigen Laufzeitenbereich in der Spitze lediglich um 11 Basispunkte auf -0,49% erhöht. Gleichwohl habe sie damit ihr bisheriges, aus dem Februar stammendes Jahreshoch marginal überboten.

Zugleich habe die gesamte Bundkurve infolge dieses Renditeanstiegs erstmals seit Mai dieses Jahres, als nachfolgend die politische Entwicklung in Italien und im weiteren Verlauf in der Türkei für eine Flucht in als sicher angesehene Bundesanleihen und einen erneuten Renditerückgang gesorgt habe, wieder klar über ihrem Niveau vom Jahreswechsel gelegen. Damit habe das Renditeniveau am deutschen Rentenmarkt in dieser Phase die Aufwärtsbewegung der Renditen in den USA größtenteils nachvollzogen. Am aktuellen Rand habe dann aber am hiesigen Kapitalmarkt erneut eine Gegenbewegung eingesetzt.

Der Konflikt zwischen der italienischen Regierung und der EU über die Haushaltspolitik des Landes habe für Verunsicherung gesorgt. Während die Renditen italienischer Staatsanleihen in die Höhe geschossen seien, habe gleichzeitig eine Flucht in den sicheren Hafen der Bundesanleihen eingesetzt. Die Rendite 10-jähriger Bunds habe auf 0,47%, die 2-jähriger auf -0,54% nachgegeben. Der zwischenzeitliche Anstieg sei damit zu einem erheblichen Teil wieder einkassiert worden.

Grundsätzlich spreche das voraussichtliche Ende der Netto-Anleiheankäufe durch die EZB zum Jahreswechsel 2018/2019 dafür, dass die Renditen von Staatsanleihen im Euroraum steigen würden. Dieser Effekt dürfte jedoch moderat ausfallen und am Markt bereits weitestgehend eskomptiert sein. Der Blick richte sich damit stärker auf einen möglichen ersten Zinsschritt der EZB im Herbst 2019. Vor diesem Hintergrund sehen die Analysten von Postbank Research ein eher limitiertes Aufwärtspotenzial und erwarten die Bundrendite auf Sicht von zwölf Monaten bei 1,00%. Als wesentliches Risiko für ihre Prognosen würden sie weiterhin die unterschiedlichen politischen Themen - Italien, Handelsstreit, Brexit, etc. - sehen, die nach wie vor allesamt und insbesondere in Kombination das Potenzial hätten, die Nachfrage nach als sicher geltenden Staatsanleihen zu erhöhen und damit einem nachhaltigen Renditeanstieg im Wege zu stehen. (Ausgabe Oktober 2018) (03.10.2018/alc/a/a)