Renten: Überdenkt China die Anlagepolitik für die Währungsreserven?


11.01.18 09:26
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Der gestrige Handelstag war zweifelsohne sehr ereignisreich, so die Analysten der National-Bank AG.

Zum einen seien den Syndikaten, die für die Platzierung der 2028er Anleihe aus Portugal sowie der 2038er Anleihe aus Italien verantwortlich gewesen seien, das Material aus den Händen gerissen worden. Die Bücher hätten mehr als 17 bzw. 26 Mrd. Euro umfasst. Rendite sei trotz der vorhandenen politischen und wirtschaftlichen Risiken gefragt gewesen, was man besonders gut daran habe ablesen können, dass es der Bund deutlich schwerer gehabt habe, seine neue 2028er Laufzeit zu platzieren. Hier möge es zum anderen eine Rolle gespielt haben, dass mehr oder weniger zeitgleich zur Platzierung Meldungen die Runde gemacht hätten, wonach China die Anlagepolitik der Währungsreserven überprüfe und möglicherweise keine US-Treasuries mehr kaufen wolle. Das habe nicht nur die Kurse der US-Staatsanleihen unter Druck gebracht.

Heute Morgen seien solche Aussagen aber relativiert worden, was zu einem Renditerückgang der Treasuries im asiatischen Handel sowie einer leichten Aufwertung des USD geführt habe. Vielleicht sei das ja auch nur ein "Testballon" von chinesischer Seite gewesen, um a) die Reaktion der Investoren zu beobachten und b) eine Warnung in Richtung US-Regierung zu senden. Schließlich werde sich die Verschuldung der USA aufgrund der Steuerreform im besten Fall um nur rund 8% erhöhen. Auch andere Themen, die es längere Zeit nicht mehr in die Schlagzeilen gebracht hätten, würden wieder eine Rolle spielen.

Fasse man bspw. die Aussagen aus mexikanischen und kanadischen Regierungskreisen zusammen, so sehe es nach einer Sackgasse bei den NAFTA-Verhandlungen aus. Die protektionistischen Züge der US-Politik seien weiterhin vorhanden. Außerdem drohe nach dem 19. Januar einmal mehr der Stillstand der US-Verwaltung, da dann die Verschuldungsobergrenze erreicht sei. Da es in den vergangenen Monaten immer wieder last minute Einigungen gegeben habe, die die Verschuldungsobergrenze für ein paar Wochen erhöht hätten, würden sich die Investoren darüber derzeit kaum sorgen machen. Nach einem Durchbruch, der für eine längerfristige Anhebung spreche, sehe es zurzeit jedoch nicht aus.

Die vorläufigen deutschen BIP-Daten für 2017 sollten so stark ausgefallen sein, wie schon lange nicht mehr. Im weiteren Tagesverlauf dürfte das Protokoll der letzten Tagung des EZB-Rats im Dezember zeigen, dass es erhebliche Diskussionen zwischen den Notenbanker zu einem definitiven Endtermin für das QE-Programm gegeben haben dürfte. Die Notenbanker dürften sich jedoch weitestgehend einig gewesen sein, dass ein abruptes Ende der Ankäufe nicht wünschenswert sei. Und schließlich würden die US-Erzeugerpreise anzeigen, dass es in den USA auf den Vorstufen sehr wohl Preisdruck gebe, obwohl es nicht wenige US-Notenbanker gebe, die einen vorsichtigen Leitzinsanhebungskurs präferieren würden. Hierzu dürfte William Dudley, der als New York FED-Chef immer im FOMC stimmberechtigt sei, einen eigenen Beitrag liefern und sich eher in das Lager derjenigen schlagen, die restriktiver vorgehen wollten.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) sollte heute mit Gewinnen in den Tag starten. Er sollte sich im weiteren Handelsverlauf zwischen 160,65 und 161,90 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,45 und 2,62% schwanken, wobei die Aufstockung des T-Bonds heute Abend durchaus für Störfeuer gut sei. (11.01.2018/alc/a/a)