Renten: Die US-Geldpolitik wird unberechenbarer


07.09.17 08:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Der gestrige Tag war ein Tag der Überraschungen, so die Analysten der National-Bank AG.

Bereits zu Beginn des Handels habe es mit vergleichsweise schwach ausgefallenen Auftragseingängen für die deutsche Industrie die erste Überraschung des Tages gegeben. Heute würden turnusgemäß die Daten zur deutschen Industrieproduktion veröffentlicht. "Eigentlich" sollten die deutschen Unternehmen gut in das Q3 gestartet sein. Am späten Nachmittag habe es dann weitere erstaunliche Wendungen gegeben.

Der US-Präsident habe sich mit den beiden demokratischen Minderheitsführern im Kongress auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze zur Finanzierung der Kosten der Stürme Harvey und wahrscheinlich auch Irma geeinigt. Demnach werde der Staat mit so viel Geld ausgestattet, dass es bis Mitte Dezember reiche. Für die Anhebung der Schuldenobergrenze sei jetzt die formale Zustimmung beider Kammern des Kongresses notwendig, was aber reine Formsache sein sollte, da Trump mit den Stimmen der Demokraten!! rechnen könne und sicher einige Republikaner zustimmen würden. Seine republikanische Partei habe der Präsident dabei auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Sie habe nämlich eine Durchfinanzierung bis nach den nächsten Primaries im November 2018 erreichen wollen.

Dass die Investoren nicht davon ausgehen würden, dass der shut down nun abgewendet sei, verrate ein Blick auf die US-T-Bill Renditen. Während sie für Fälligkeiten im Oktober deutlich zurückgegangen seien, seien sie für Dezemberfälligkeiten angestiegen. Sollte dem Staat kurz vor Weihnachten also das Geld auszugehen drohen, ständen die Republikaner massiv unter Zugzwang. Steuerreformen, die Reform des Gesundheitssystems oder die Anfinanzierung des Mauerbaus zu Mexikos dürften ohne Einbeziehung der Demokraten keine Aussicht auf Erfolg mehr haben.

Die weitere Überraschung sei die Ankündigung des FED-Vize Stanley Fischer gewesen, sich per Mitte Oktober 2017 von seinem Amt zurückziehen zu wollen. Nun steige die Wahrscheinlichkeit tatsächlich, dass es im Dezember keinen weiteren Leitzinsschritt geben werde. Zugleich werde die künftige Geldpolitik aufgrund der zahlreichen Vakanzen sowie der weiterhin ungeklärten Frage, wer die FED an März 2018 führen werde, unberechenbarer. "Eigentlich" müsste der US-Präsident jetzt zügig handeln, die Vakanzen besetzen und die Nachfolge von Janet Yellen regeln. Zu erwarten sei das nicht. Das könnte durchaus Einfluss auf die Kapitalmärkte über Rendite- und Währungsentwicklungen haben. Immerhin laufe die US-Wirtschaft, was dem Beige Book zu entnehmen gewesen sei. Trotz gemeldeten Arbeitskräftemangel bleibe die Preisdynamik gering.

Heute stehe die Tagung des EZB-Rats im Fokus. Für die Platzierung von Anleihen gebe es sicher bessere Tage, denn die Investoren würden bis zur Pressekonferenz in Deckung bleiben. Mario Draghi werde abgesehen von den aktualisierten Prognosen zu Wachstum, Preisen und Arbeitsmarkt wenig Neues im Gepäck haben. Großer Prognoseänderungen dürfte es nicht geben. Auch zum QE-Programm werde er nichts Neues berichten, allenfalls darauf verweisen, dass die EZB größtmögliche Flexibilität wolle. Obwohl Aussagen zum Euro erwartet würden, dürfte es hierzu ebenfalls kaum etwas geben, da die Steuerung der Währung nicht das Ziel der EZB sei, das habe Mario Draghi immer wieder betont.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (Dezember-Kontrakt) dürfte kaum geändert starten und sich dann zwischen 161,65 und 163,05 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries sollte zwischen 2,03 und 2,19% schwanken. (07.09.2017/alc/a/a)





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