Renten: Die US-Berichtssaison nimmt mit Quartalsberichten von Banken Fahrt auf


12.01.18 11:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Der Handelstag begann gestern relativ ruhig, so die Analysten der National-Bank AG.

Die Aufregung über die angeblichen Überlegungen, wonach China Währungsreserven nicht mehr in US-Treasuries anlegen wolle, habe sich nach vehementen Dementis gelegt. Mit der Veröffentlichung des Protokolls über die Tagung des EZB-Rats im Dezember sei es aus mit der Ruhe gewesen. Die Deutlichkeit, mit der im EZB-Rat über die Anpassung der Geldpolitik gesprochen worden sei, habe die meisten Investoren überrascht. Die Notenbanker würden sich tatsächlich sehr viele Gedanken machen, wie sie den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik am besten gestalten würden. Dementsprechend seien die Aussagen von Coeure und Nowotny um den Jahreswechsel herum als Test zu werten, wie eine Verschiebung des Blickwinkels der EZB von den Kapitalmärkten aufgenommen werden könnte.

Gestern sei die Reaktion eindeutig gewesen: Die Anleger hätten sich von europäischen Staatspapieren getrennt, obwohl der finale Kurswechsel in der EZB-Geldpolitik immer noch nicht exakt bestimmbar sei. Mario Draghi und auch andere EZB-Vertreter hätten immer wieder betont, dass es zum einen keinen abrupten Ausstieg aus dem QE-Programm geben werde und dass zum anderen die Abfolge der geldpolitische Schritte feststehe: Erst werde das QE-Volumen auf null gefahren, dann erfolge die erste Leitzinsanhebung. Vor 2019 sei letzteres weiterhin unwahrscheinlich.

Die EZB könnte zu einem Vorziehen nur dann gezwungen werden, wenn sich die Preisdynamik demnächst eurolandweit kräftig beschleunige und diese Beschleunigung nicht durch Energie- und administrative Preissteigerungen verursacht worden sei. Danach sehe es jedenfalls nicht aus. Immerhin bereite die EZB die Investoren und Politiker nun darauf vor, dass die Ära der ultra-lockeren Geldpolitik zu Ende gehen werde.

Ob die Politik daraus aber die "richtigen" Schlüsse ziehe, bleibe zweifelhaft, denn diese wäre nun gut beraten, ihre Reformbemühungen zu verstärken. Davon sei jedoch nichts zu spüren, da der wirtschaftliche Aufschwung im Euroraum die strukturellen Defizite überdecke. Diese dürften wieder zu Tage treten, wenn der Boom nachlasse und sich die Renditen auf einem höheren Niveau einpendeln sollten. Nur dann sei es zu spät. Die Abschätzung der Aussagen aus dem Tagungsprotokoll dürfte die Investoren über den gestrigen Tag hinaus beschäftigen, zumal sich viele Anleger immer noch in der Findungsphase für die Anlagepolitik im laufenden Jahr befinden würden.

Daneben hätten die US-Erzeugerpreise für etwas Aufsehen gesorgt, da sie im Monatsvergleich rückläufig ausgefallen seien. Das sollte bei den Konsumentenpreisen heute nicht der Fall sein. Die konjunkturelle Dynamik spreche dagegen. Die US-Einzelhandelsumsätze könnten sich dagegen als Überraschung entpuppen. "Eigentlich" sollten die US-Amerikaner aufgrund ihrer guten wirtschaftlichen Lage im Dezember kräftig shoppen gewesen sein. Das sei aber in der Vergangenheit nicht immer so gewesen. Außerdem seien die Aussagen der US-Notenbanker zu beachten.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfte heute Morgen zwar ein paar seiner gestern erlittenen Verluste aufholen. Er bleibe jedoch vorerst angeschlagen. Im weiteren Handelsverlauf sollte er sich zwischen 159,70 und 161,20 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,45 und 2,62% schwanken. (12.01.2018/alc/a/a)