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Renten: Themenwechsel für Renditen beiderseits des Atlantiks


11.01.21 15:09
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Mit dem Jahreswechsel kam es auch für die Renditen beiderseits des Atlantiks zu einem gewissen Themenwechsel, so die Analysten der Nord LB.

Dies habe vor allem für die US-Renditen gegolten, die nochmals deutlicher als die deutschen Bundrenditen angezogen hätten, sodass sich der Zinsspread im zehnjährigen Laufzeitenbereich deutlich auf über 160 Basispunkte ausgeweitet habe (Höchststand seit März 2020). Mehrere Gründe seien für nun höhere Renditen offenbar ausschlaggebend: Erstens werde mit den gestarteten Impfkampanien die Perspektiven für eine konjunkturelle Aufhellung im weiteren Verlauf dieses Jahres immer besser. Eine konjunkturelle Boomphase könnte danach also bevorstehen.

Zweitens müsse deswegen und aus Gründen der höheren Staatsverschuldung und -ausgaben mit einem gewissen Anziehen der Inflation gerechnet werden. Zunächst gelte dies vor allem aufgrund von zu erwartenden statistischen Basiseffekten aus dem letzten Frühjahr. Allerdings würden auch höhere Öl- und damit Benzinpreise zudem fundamental gerechtfertigt auf höhere Inflationsraten deuten, die zur Jahresmitte nach Erachten der Analysten in den USA (kurzzeitig) sogar die Marke von 3% und in Deutschland von über 2% durchaus erreichen könnten.

Drittens lasse die Situation im US-Senat nach den Nachwahlen in Georgia die Annahme zu, dass mit den erreichten Mehrheiten im Kongress die Demokraten unter Führung des neuen Präsidenten Joe Biden eine nochmals expansiver ausgerichtete Fiskalpolitik anstreben werden dürften. Viertens habe der noch vor Weihnachten erreichte Brexit-Deal ein Chaos immerhin vermeiden helfen können. Eine Assetallokation aus Staatsanleihen in zuletzt stark laufende Aktienmärkte sei die Folge gewesen. Dennoch müssten natürlich trotz dieser Themenwechsel die daraus gezogenen Schlussfolgerungen hinterfragt werden.

Der Lockdown drücke schließlich auf die derzeitige wirtschaftliche Verfassung. Die anstehenden Konjunkturdaten in dieser Woche könnten dabei nur Anhaltspunkte für die Entwicklungen im Dezember geben: Die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion aus den USA würden am Freitag nur schwach ausgefallen sein; das vorläufige Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan ebenfalls. Und der Einbruch des deutschen BIP für das Gesamtjahr 2020 am Donnerstag werde auch ernüchtern. Aber das sei ja alles nur Vergangenheit! (11.01.2021/alc/a/a)