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Renten: Steigende Renditen in sicheren Häfen


10.01.22 10:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Jahresauftakt hatte es auch an den Rentenmärkten in sich, so die Experten von Union Investment.

Bereits am ersten Handelstag sei es zu Renditeanstiegen bei den sicheren Häfen gekommen. Es sei der schlechteste Start in ein neues Jahr für diese Anlageklasse seit 2009 gewesen. Nach der Vorlage der Protokolle der Dezember-Sitzung der US-Notenbank FED sei die Bewegung nochmals verstärkt worden.

Am Anleihemarkt werde nun eine gestiegene Wahrscheinlichkeit (von rund 85 Prozent) für eine Leitzinserhöhung im März eingepreist, entsprechend sei es für die Renditen bei US-Staatsanleihen nach oben gegangen. Letztlich sei die Rendite zweijähriger Treasuries gegenüber Ende Dezember um 14 Basispunkte (BP) auf 0,87 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Anfang März 2020 gestiegen. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries habe 21 Basispunkte auf 1,72 Prozent (alle Angaben Stand Freitagmittag) zugelegt.

Auch bei deutschen Bundesanleihen sei es zu einem Renditeanstieg gekommen, wenn auch weniger stark als bei den US-amerikanischen Pendants. Papiere mit zehnjähriger Laufzeit hätten ein Plus von 12 Basispunkten auf -0,07 Prozent verzeichnet, während zweijährige Anleihen einen Renditezuwachs von knapp vier Basispunkten auf -0,62 Prozent verbucht hätten.

In der europäischen Peripherie habe Italien im Blickpunkt gestanden. Dort laufe die Amtszeit des 80-jährgen Staatspräsidenten Sergio Mattarella am 3. Februar ab. Bislang sei noch völlig offen, wer seine Nachfolge übernehme. Unter Kennern der politischen Lage in Rom würden immer wieder die Namen von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi (als Kandidat der konservativen Parteien) und dem aktuellen Premier Mario Draghi (als Vertreter progressiver Kräfte) genannt. Keines der Lager verfüge über eine Mehrheit in der am 24. Januar zusammenkommenden Versammlung von Parlament und Regionen, die den Staatspräsidenten bestimme.

An den Kapitalmärkten werde die Möglichkeit eines Amtswechsels von Ex-EZB-Chef Draghi mit einer gewissen Sorge betrachtet. Er stehe für einen Reformkurs und könne bislang auf sehr gute Ergebnisse bei Wirtschafts- und Pandemieentwicklung verweisen. Würde er Mattarellas Nachfolger, würde das aus Sicht vieler Beobachter die politische Unsicherheit erhöhen. Italienische Staatsanleihen hätten auf die Entwicklungen bislang jedoch kaum reagiert. Die im Fachjargon BTP genannten Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren hätten mit 12 Basispunkte (auf 1,29 Prozent) einen ebenso großen Renditeanstieg wie deutsche Bundesanleihen verzeichnet. (Ausgabe vom 07.01.2022) (10.01.2022/alc/a/a)