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Renten: Steigende Emissionen, drohende Ausfälle


14.05.20 09:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Pandemie erfordert massive staatliche Stützungsmaßnahmen, um den stärksten Wirtschaftseinbruch seit 90 Jahren abzufedern, so die Analysten von Postbank Research.

Nach Einschätzung der Postbank könnte in Europa eine höhere Neuverschuldung bei Ländern wie Italien oder Portugal langfristig zu einer Herabstufung der Bonität durch die Ratingagenturen führen.

Die Konjunkturprogramme hätten eine gewaltige Dimension: Deutschland plane die zusätzliche Ausgabe von Staatsanleihen in Höhe von 206 Milliarden Euro, Frankreich von 92 Milliarden Euro. Die italienischen und spanischen Emissionspläne seien noch nicht aktualisiert. Die Entwicklung der Haushaltsdefizite deute hier auf ein zusätzliches Emissionsvolumen in Höhe von 105 Milliarden Euro in Italien und 80 Milliarden Euro in Spanien hin.

Die Angebotsausweitung um fast 500 Milliarden Euro würde in normalen Zeiten zu einem deutlichen Anstieg der Risikoprämien an den Rentenmärkten führen. Die Postbank erwarte dennoch keine Kursturbulenzen, da dank des "Pandemic Emergency Purchase Programme" der Europäische Zentralbank (EZB) auch die Nachfrage steige. PEPP ermögliche es den Notenbankern, aktuell für 750 Milliarden Euro zusätzlich Staatsanleihen in die Bilanz zu nehmen.

Unter strikter Anwendung des EZB-Kapitalschlüssels, also der Verteilung der Ankäufe auf die Länder gemäß ihrem jeweiligen Anteil am EZB-Kapital, werde das gestiegene Angebot aber nur im Fall Frankreichs vollständig durch die zusätzliche Nachfrage absorbiert. Insbesondere für Italien und Spanien könnte dies zum Problem werden. Allerdings habe die EZB unlängst entschieden, im Bedarfsfall vom Kapitalschlüssel abzuweichen. Außerdem habe sich die Währungsgemeinschaft auf umfangreiche Kreditlinien und Garantien für strauchelnde Staaten geeinigt. Das sollte vorerst helfen, die Renditen zu stabilisieren und die Finanzierung der Haushalte in den Euroländern sicherzustellen.

Bereits im April habe sich bei den ersten EZB-PEPP-Ankäufen eine Übergewichtung italienischer Papiere abgezeichnet. Das könnte aber langfristig an anderer Stelle zu Verwerfungen führen. Bei Bundesanleihen würde sich bei einer entsprechenden Untergewichtung die Differenz zwischen Angebot und EZB-Nachfrage massiv umkehren. Statt eines ursprünglichen Nachfrageüberschusses von 29 Milliarden Euro ergäbe sich ein Angebotsplus von 99 Milliarden Euro. Ein daraus resultierender übermäßiger Anstieg der Bundrenditen könnte zum nächsten Streitfall für die Eurozone werden.

Analysten der Postbank hätten mögliche Szenarien zur Entwicklung der Ausfallraten von Unternehmensanleihen in der Corona-Krise durchgerechnet. Bei einem V-förmigen Konjunkturverlauf - auf einen heftigen Einbruch folge eine schnelle und starke Erholung - dürften die globalen Ausfallraten unterhalb historischer Höchststände bleiben. In diesem Szenario werde für Anleihen auf US-Dollarbasis mit einem Anstieg der Ausfälle auf 10% und für Euro-Papiere auf 6% gerechnet.

Bei einer länger anhaltenden Pandemie und einer verzögerten Erholung der Wirtschaft (U-förmiger Konjunkturverlauf) würden die Ausfälle dagegen schnell die bisherigen historischen Höchststände überschreiten. Diese hätten sich im Zeitraum seit 1981 bei einem A-Rating auf 0,53% belaufen, bei einem BBB-Rating auf 1,31%, bei einem BB-Rating auf 5,66%, bei einem B-Rating auf 15,99% und im CCC-C-Bereich auf 55,79%. Für den Gesamtmarkt rechne die Postbank in diesem Fall mit einem Anstieg der Ausfallraten auf 15 bis 20%. (Perspektiven Mai 2020) (14.05.2020/alc/a/a)