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Renten: Staatsanleihen gesucht - EZB vermeidet Festlegung


11.09.17 11:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der letzten Woche war an den Staatsanleihemärkten eine freundliche Tendenz zu beobachten, so die Experten von Union Investment.

Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch im Euroraum seien die Renditen spürbar zurückgegangen.

Am US-Markt hätten die anhaltenden politischen Unsicherheiten (Nordkorea) und zunächst moderate Töne seitens der FED hinsichtlich der weiteren Geldpolitik für steigende Anleihenotierungen gesorgt. So habe die FED-Direktorin Brainard, die bislang für eine eher restriktive Zinspolitik bekannt gewesen sei, zur Zurückhaltung bei weiteren Zinserhöhungen gemahnt. Hintergrund hierzu sei die moderate Inflationsentwicklung in den USA, die schon lange unter dem Zielwert (um die zwei Prozent) der US-Notenbank liege. In der Nacht zum Freitag hätten sich hingegen weitere FED-Teilnehmer gemeldet, die sich deutlich restriktiver zur US-Zinspolitik geäußert hätten. Marktreaktionen seien aber ausgeblieben. Die Diskussion innerhalb der FED dauere unvermindert an. Letztlich sei die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen unter die 2,1-Prozentmarke gefallen und habe per Freitagmittag bei 2,03 Prozent gelegen. Die US-Zinskurve habe über die langen Laufzeiten flacher tendiert und sich zudem merklich nach unten verschoben.

Die künftige Besetzung des Offenmarktausschusses der FED (FOMC) werde verstärkt Thema an den Finanzmärkten. Überraschend habe Vize-Chef Stanley Fisher in letzter Woche seinen Rücktritt bereits zur Mitte des kommenden Oktobers bekannt gegeben. Zudem stehe die bislang ungelöste Frage zur Nachfolge der FED-Chefin Janet Yellen, die wohl von US-Präsident Trump nicht mehr vorgeschlagen werde, im Raum. Darüber hinaus werde es weitere Neubesetzungen im Board geben. Insgesamt dürfte die FED angesichts der derzeitigen US-Administration zukünftig die Zinspolitik betreffend wohl weniger restriktiv ausgerichtet sein. Und auch für die Marktteilnehmer schwieriger einzuschätzen sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe auf ihrem regulären Treffen am 7. September entgegen mancher Markterwartung eine formale Ankündigung der Reduzierung ihrer Anleiheankäufe (Tapering) vermieden. Allerdings sei in der Pressekonferenz deutlich geworden, dass eine Anpassung des Programms im Oktober erfolgen werde. EZB-Präsident Draghi habe auch verdeutlicht, dass das aktuelle Niveau - sprich die starke Aufwertung des Euro zum US-Dollar - kein Hindernis für eine geldpolitische Anpassung darstellen sollte. Aufgrund der jüngsten Währungsbewegung sei die Inflationsprognose für 2018 um 0,1 Prozent nach unten korrigiert worden. Draghi habe jedoch durchklingen lassen, dass ein weiterer Anstieg ein Risiko darstellen könnte. Die Experten von Union Investment fühlen ihre geldpolitische Erwartung, die eine Rückführung der Anleiheankäufe ab 2018 vorsieht, bestätigt. Die EZB werde die Währungsentwicklung sicherlich genauestens im Auge behalten.

Bei den europäischen Staatsanleihen seien durchweg, am deutlichsten bei Restlaufzeiten von neun bis zehn Jahren, rückläufige Renditen zu beobachten gewesen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe etwas flacher tendiert. Auch die Peripherie habe sich angesichts der EZB gut unterstützt gezeigt. Auch dort seien, bereits im Vorfeld der Sitzung, die Renditen deutlich gefallen. Italienische Zehnjahrespapiere hätten die Zwei- Prozentmarke unterschritten. Auch in Spanien habe sich trotz der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens ein freundlicher Trend gezeigt. (Ausgabe vom 08.09.2017) (11.09.2017/alc/a/a)