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Renten: Spreadausweitungen in Spanien und Italien


09.10.17 11:43
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die politische Lage in Spanien war unzweifelhaft das beherrschende Thema an den europäischen Staatsanleihemärkten, so die Experten von Union Investment.

Die Zuspitzung in Katalonien habe im Laufe der vergangenen Berichtswoche dann doch Spuren in der Marktentwicklung hinterlassen. Seien in der Vorwoche kaum Auswirkungen am Markt zu erkennen gewesen, sei es zur Wochenmitte bei spanischen Staatsanleihen zu deutlich erhöhten Risikoprämien (Spreads) gekommen. Diese hätten sich gegenüber deutschen Bundesanleihen zunächst um bis zu 20 Basispunkte in der Spitze ausgeweitet.

Zudem habe sich der italienische Staatsanleihemarkt der erhöhten Risikoscheu der Anleger nicht entziehen können. Dort seien die Spreads ebenfalls angestiegen, die Ausweitung sei mit zehn Basispunkten aber deutlich hinter der des spanischen Marktes zurückgeblieben. Die teils deutlich erhöhten Spreadniveaus hätten sich aber nicht halten können. Es sei zum Wochenschluss zu einer Reaktion gekommen, in der sich die zuvor erfolgten Ausweitungen wieder halbiert hätten. Völlig unberührt von der Entwicklung habe sich hingegen der portugiesische Markt gezeigt, der auf den nach der Ratingheraufstufung Portugals deutlich verminderten Renditeniveaus verharrt habe.

Das Thema Rating, das zum Ende der Vorwoche auch für Spanien Relevanz gehabt habe, sei angesichts der jüngsten Entwicklung schnell vom Tisch gewesen. Die Experten hätten im Ticker von letzter Woche noch auf die anstehende Ratingüberprüfung Spaniens durch S&P hingewiesen. Der eine oder andere Marktteilnehmer habe noch mit einer - auf gesamtwirtschaftlichen Daten basierenden - möglichen Verbesserung der Kreditwürdigkeit der Iberer gerechnet. Mittlerweile sei aber das Gegenteil der Fall. Mit der nächsten Überprüfung, dieses Mal durch die kanadische DBRS, sei nun sogar von einer möglichen Verschlechterung die Rede. Die Kreditwürdigkeit Kataloniens, die sich ohnehin bei S&P (B+/B) im spekulativen Bereich befinde, sei den Ausblick betreffend in dieser Woche auf negativ gesetzt worden.

Am Neuemissionsmarkt habe dies hingegen der Beliebtheit spanischer Papiere keinen Abbruch getan. Spanien habe am Donnerstag mehrere Anleihen über insgesamt 4,6 Milliarden Euro emittiert. Zwei davon hätten die Aufstockung bestehender Papiere betroffen, die dritte Emission, die im Mittelpunkt gestanden habe, habe neue fünfjährige Anleihe umfasst. Deren Auktion sei außerordentlich erfolgreich verlaufen. Die zuvor am Markt erfolgten Spreadausweitungen hätten für ein attraktives Renditeniveau gesorgt, sodass die Anleger beherzt zugegriffen hätten. Das Nachfrage/Angebots-Verhältnis sei mit rund 2,2 deutlich besser als in der vorhergehenden Auktion gewesen. Es seien Papiere im Gegenwert von 3,2 Milliarden Euro zugeteilt worden.

Während in der Peripherie merklich Schwankungen zu verzeichnen gewesen seien, habe sich die Bewegung an den Kern-Staatsanleihemärkten in engen Grenzen gehalten. Die Rendite deutscher Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sei bis Freitagmittag um zwei Basispunkte angestiegen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich über alle Laufzeiten hinweg im Vergleich zum Vorwochenschluss um ein bis zwei Basispunkte nach oben verschoben.

Ähnlich sei die Entwicklung in den Vereinigten Staaten verlaufen. Auch dort habe sich - bis Freitagmittag und damit vor Veröffentlichung der dieses Mal um den Wirbelsturm wahrscheinlich stark verzerrten US-Arbeitsmarktdaten (minus 33.000 neue Stellen) - die Kurve über alle Laufzeiten hinweg um bis zu vier Basispunkte nach oben verschoben. Gute Fundamentaldaten und eine zunehmend restriktivere US-Notenbank würden derzeit kein allzu rosiges Umfeld für US-Staatspapiere bereiten. (Ausgabe vom 06.10.2017) (09.10.2017/alc/a/a)