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Renten: Reale Bedingungen für Sparer bleiben hart


13.05.22 16:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Seit Anfang März haben zehnjährige Bundesanleihen bis zu 10% an Wert verloren, so die Analysten der Helaba.

Dies sei der größte Ertragseinbruch seit 32 Jahren gewesen und die Rendite sei über die 1%-Marke getragen worden. Die Rendite zehnjähriger Pfandbriefe habe sich zeitweise bereits 2% genähert. Angesichts des grassierenden Anlagenotstands sei dies für viele Investoren eigentlich eine positive Nachricht. Das Problem insbesondere für Buy-and-Hold-Anleger sei allerdings, dass die Inflation noch erheblich schneller gestiegen sei und zudem große Unsicherheit herrsche, auf was für einem Niveau sich langfristig einpendelt werde.

Würden die aktuellen Inflationsraten ebenso wie das aktuelle Bund-Renditeniveau über Zehn-Jahre Bestand haben, wäre der reale Verlust eines Investments in deutschen Staatspapieren dramatisch. Am Ende der Halteperiode hätte man zwar nominal etwas mehr in der Tasche. Die ursprüngliche Kaufkraft wäre aber fast halbiert.

Mit so einem extremen Inflationsszenario sei zwar nicht zu rechnen, gleichwohl sei es wahrscheinlich, dass die Teuerung im Euroraum auch langfristig über dem Niveau der Vor-Corona-Zeit bleibe und in den kommenden Jahren über 2%-Marke liegen werde. Der Anstieg der Kapitalmarktzinsen müssten daher noch deutlich höher ausfallen, damit ein Langfristanleger auf der sicheren Seite wäre. Entscheidende Bedeutung komme hier der EZB zu, die überrumpelt von den Ereignissen bislang einen eher abwartenden geldpolitischen Kurs gepflegt habe. Dass die Zinswende im Sommer anstehe, scheine inzwischen aber klar. Unklar sei jedoch, mit welchen Tempo der EZB-Rat die Leitzinsen in den kommenden Jahren nach oben ziehen werde.

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise hätten die Zinssätze, bis auf kurze Deflationsphasen, immer deutlich niedriger als die Teuerungsrate bzw. die Inflationserwartungen gelegen. Wenn die EZB diese Grundhaltung nicht ändere, stünden die Chancen auf positive Realrenditen eher schlecht. Ebenfalls zu berücksichtigen sei die vermutlich eher länger als kürzer dauernde Krisen- bzw. Kriegslage. Ein historischer Rückblick auf den realen Kapitalmarktzins in den USA zeige, dass Katastrophenzeiten, wie man sie gerade erlebe - oft einhergehend mit hoher Verschuldung -, keine leichte Zeit für Sparer seien. (13.05.2022/alc/a/a)