Erweiterte Funktionen

Renten: QE-Entscheidungen eingepreist - Nur moderates Aufwärtspotenzial für Renditen auf Jahressicht


05.10.17 10:44
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Kapitalmarktrenditen diesseits und jenseits des Atlantiks haben auf die jüngsten (Nicht-)Entscheidungen der großen Notenbanken nur wenig reagiert, so die Analysten von Postbank Research.

Bis zur EZB-Ratssitzung habe sich der im August begonnene Renditerückgang bei Bundesanleihen zunächst fortgesetzt, da Anleger in Reaktion auf die Nordkorea-Spannungen in sichere Häfen flohen würden. Auf ihrem Zwischentief zum Zeitpunkt der EZB-Ratssitzung am 7. September hätten 10-jährige Papiere des Bundes nur noch mit 0,31% rentiert. Die nachfolgende Gegenbewegung, die die Rendite zuletzt mit 0,46% wieder klar über die Marke von 0,40% geführt habe, habe aber nicht etwa als Reaktion auf die EZB-Sitzung, sondern vielmehr erst einige Tage später eingesetzt, als sich vorerst keine weitere Eskalation im Nordkorea-Konflikt abgezeichnet habe.

Ein noch stärkerer Anstieg habe sich bei 10-jährigen US-Treasuries ergeben. Deren Rendite sei von 2,04% am 7. September auf zuletzt 2,32% geklettert, ein Niveau, das zuletzt im Juli erreicht worden sei. Dabei habe der US-Kapitalmarkt aber ebenfalls nur eine moderate Reaktion auf geldpolitische Entscheidungen gezeigt, namentlich auf die FOMC-Sitzung am 20. September. Vielmehr habe auch hier die Beruhigung im Nordkorea-Konflikt eine Rolle gespielt, wobei der Renditeanstieg zuletzt auch durch starke Konjunkturdaten sowie die Ankündigung einer Steuerreform in den USA unterstützt worden sei.

Trotz der jüngsten Renditeanstiege habe sich bislang noch kein klarer Trend bei den Kapitalmarktrenditen - in Europa wie auch in den USA - herausgebildet und dies sollte vorläufig auch so bleiben. Die QE-Maßnahmen der Notenbanken hätten die Investoren an den Rentenmärkten bereits eingepreist. Für Renditebewegungen sollten zunächst auch weiterhin vor allem (geo-)politische Ereignisse verantwortlich zeichnen. Neben Nordkorea seien dabei insbesondere auch die Brexit-Verhandlungen sowie der seitens Frankreichs forcierte EU-Reformprozess zu nennen, dessen Beginn sich angesichts der voraussichtlich schwierigen Regierungsbildung nach der Bundestagswahl in Deutschland etwas verzögern könnte.

Gleichwohl gehen die Analysten von Postbank Research auf Jahressicht von einem moderaten Renditeanstieg an den Kapitalmärkten diesseits und jenseits des Atlantiks aus. Hierfür spreche neben der fortschreitenden geldpolitischen Wende insbesondere das sehr solide Konjunkturbild, das bislang keine wesentlichen Abschwächungstendenzen aufweise. Vor diesem Hintergrund dürfte die 10-jährige Bundrendite auf Sicht von zwölf Monaten auf 0,80% anziehen. Mit einem deutlicheren Zinsanstieg hierzulande sei wohl erst zu rechnen, wenn die EZB ihr Anleiheankaufprogramm beendet habe und erste Leitzinsanhebungen in der EWU näher rücken würden. (Zinsen und Währungen Oktober 2017) (05.10.2017/alc/a/a)