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Renten: Protokoll der US-Notenbank verunsichert


08.01.18 11:26
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Aus dem am Mittwoch veröffentlichten FED-Protokoll der Sitzung vom 12. und 13. Dezember geht hervor, dass innerhalb des FOMC-Gremiums weiterhin keine einheitliche Linie bei der geldpolitischen Ausrichtung besteht, so die Experten von Union Investment.

Es sei deutlich geworden, dass die Mitglieder vor allem im Hinblick auf die Zinspolitik letztlich in zwei Lager gespalten seien. Einerseits würde die veröffentlichte Projektion für 2018 zu viele Zinserhöhungen implizieren, so die zinspolitisch eher moderate eingestellte Seite. Konträr hierzu votierten andere FED-Verantwortliche sogar für weitaus mehr Zinserhöhungen als in den Einschätzungen der Notenbank derzeit erforderlich erscheinen, so die Experten von Union Investment. Marktseitig werde derzeit mit zwei bis drei weiteren Anhebungen im laufenden Jahr gerechnet. In diesem Zusammenhang sei auch erörtert worden, ob die bislang erfolgten geldpolitischen Maßnahmen letztlich nicht doch zu Inflationsdruck führen würden und so weitere Zinsanhebungen notwendig machen könnten.

Die Diskussion über einen möglichen Inflationsdruck, die angesichts der derzeit robusten US-Wirtschaft und der kommenden umfangreichen Steuersenkung für die in den USA tätigen Unternehmen fundamentale Untermauerung erhalte, habe den Staatsanleihemarkt belastet. Zum Auftakt des neuen Handelsjahres seien die Zehnjahresrenditen der US-Treasuries um knapp zehn Basispunkte in Richtung 2,5 Prozent gestiegen. Damit habe sich die im September 2017 eingeschlagene leichte Aufwärtsbewegung bei den Zehnjahresrenditen weiter fortgesetzt. Die im vergangenen Jahr bei 2,6 Prozent erreichten Höchststände lägen in greifbarer Nähe.

Im Zuge der US-Marktbewegung hätten auch britische Staatsanleihen (Gilts) zeitweise nachgegeben, die Verzinsung sei um bis zu zehn Renditestellen gestiegen. Marktgerüchten zufolge solle die Mehrheit der britischen Politiker für ein zweites Referendum zum Brexit votieren.

Deutsche Bundesanleihen hätten ebenfalls ein wenig nachgegeben. Bis zum Freitagmittag und vor Veröffentlichung der wichtigen US-Arbeitsmarktdaten (neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft, "non-farm-payrolls") hätten die Verluste der ersten Handelstage aber wieder aufgeholt werden können.

Nachdem die Platzierungstätigkeit zum Jahresende hin deutlich abgeflaut sei, sei die Neuemissionswelle zum Jahresauftakt wieder angerollt. Im Euroraum habe Irland das Debüt auf der Staatsanleiheseite gegeben und einen Zehnjahresbond gebracht. Die Emission habe letztendlich Papiere im Gegenwert von vier Milliarden Euro umfasst. Damit hätten weitaus nicht alle Zeichnungswünsche der Anleger berücksichtigt werden können, denn die Nachfrage habe bei stolzen 14 Milliarden Euro gelegen. Es seien Spanien, welches mehrere Anleihen aufgestockt und auch ein inflationsgeschütztes Papier (Linker) platziert habe sowie Frankreich gefolgt. Alle Anleihen seien sehr gut von den Anlegern aufgenommen worden. Mit der erfolgreichen Platzierung der Peripherieanleihen habe der dort zum Jahresende zu beobachtende Abwärtstrend gestoppt und umgekehrt werden können. Die Renditen in Spanien, Portugal und Italien seien gefallen. Zehnjahrespapiere aus Griechenland seien unvermindert weiter gestiegen und hätten am Freitag mit etwas weniger als 3,8 Prozent rentiert.

Im Unternehmensanleihebereich hätten vor allem Banken und Automobilhersteller das positive Momentum genutzt und zahlreiche Anleihen begeben. Sowohl im Zuteilungsverfahren als auch im weiteren Sekundärmarkthandel seien Einengungen bei den Risikoprämien zu beobachten gewesen. Die Anleihemärkte der Schwellenländerländer hätten auch zum Jahreswechsel von hohen Mittelzuflüssen profitiert. Auf Staatsanleiheseite hätten Mexiko und Argentinien mit umfangreichen Emissionen den Primärmarkt eröffnet. Zudem hätten zahlreiche chinesische Unternehmen die gute Stimmung zur Platzierung neuer Bonds genutzt. (Ausgabe vom 05.01.2018) (08.01.2018/alc/a/a)