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Renten: Mario Draghi beflügelt italienische Staatsanleihen


08.02.21 12:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der mit der Regierungsbildung beauftragte frühere EZB-Präsident Mario Draghi sorgte mit seinen Sondierungsgesprächen auch am italienischen Staatsanleihemarkt für gute Stimmung, so die Experten von Union Investment.

Die Zehnjahresrendite italienischer Bonds sei im Verlauf der Woche von 0,65 auf 0,53 Prozent gefallen. Der Renditeabstand (Spread) zwischen deutschen Bundesanleihen und italienischen Staatspapieren sei am Freitagvormittag unter die Marke von 100-Basispunkten gefallen. Die Gespräche dürften bis in das Wochenende hinein anhalten, zumal die Partei 5-Sterne ebenfalls ihre Bereitschaft zum Dialog signalisiert habe. Kommende Woche könnten die Experten schon etwas klarer sehen.

Die in der Berichtswoche zu beobachtende Risikofreude der Anleger habe aber in der Gesamtsicht auf die Anleihemärkte gedrückt. Somit sei der Renditetrend in der Berichtswoche aufwärtsgerichtet gewesen. In den Vereinigten Staaten hätten Zehnjahrespapiere mit 1,14 Prozent (plus acht Basispunkte) rentiert. Die US-Zinskurve habe über die langen Laufzeiten wieder etwas steiler tendiert. Dies sei gleichermaßen auch bei der deutschen Zinskurve zu beobachten gewesen. Wenngleich etwas weniger stark ausgeprägt als am US-Markt. Deutsche Bundesanleihen mit 30 Jahren Laufzeit seien aber zumindest wieder leicht über die Null-Prozent-Renditemarke geklettert.

Neben den anziehenden Inflationsdaten im Euroraum hätten sich auch die soliden US-Wirtschaftsdaten eher belastend auf die Anleihenotierungen ausgewirkt. Darüber hinaus seien am Euro-Staatsanleihemarkt einige Neuemissionen mit teils sehr langen Laufzeiten von bis zu 50 Jahren neu emittiert worden (Belgien, Finnland, Portugal). Auch Italien und Spanien hätten neue Papiere platziert. Die Nachfrage nach den neuen Titeln sei aber unvermindert hoch gewesen und habe den Sekundärmarkt somit kaum belastet. Was sicherlich auch nicht zuletzt auf die Anleiheankäufe der Europäischen Zentralbank zurückzuführen gewesen sei.

Euro-Unternehmenspapiere und Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) hätten in der Berichtswoche stabil bis leicht freundlich tendiert. Die Risikoprämien (Spreads) hätten sich an beiden Märkten etwas eingeengt. An den Primärmarkten seien weiterhin Neuemissionen begeben worden, aber weitaus weniger als noch zum Jahresauftakt. Der Markt für in US-Dollar und Euro denominierte Hartwährungsanleihen habe in der letzten Woche von Zuflüssen in Höhe von zwei Milliarden Euro profitiert, was die Risikofreude der Anleger in den vergangenen Handelstagen untermauere.

Der Euro habe in der Berichtswoche schwächer tendiert und sei zum US-Dollar unter die Marke von 1,20 (US-Dollar je Euro) gefallen. In der ersten Handelswoche des neuen Jahres sei die Gemeinschaftswährung noch bis auf 1,235 US-Dollar geklettert. Solide US-Wirtschaftsdaten im Vergleich zum Euroraum und die geringen Fortschritte im europäischen Impfgeschehen mit ihren wirtschaftlichen Folgen seien als Gründe zur Euro-Abwertung angeführt worden. (Ausgabe vom 05.02.2021) (08.02.2021/alc/a/a)