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Renten: Märkte ignorieren Wahlergebnis in Italien, EZB bereitet Normalisierung der Geldpolitik vor


12.03.18 09:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Europäische Staatsanleihen können auf einen freundlichen Wochenverlauf zurückblicken, so die Experten von Union Investment.

Einmal mehr seien vor allem Peripherieanleihen besonders gefragt gewesen. Mit Blick auf das Wahlergebnis in Italien sei das eine faustdicke Überraschung. Hätte man das Ergebnis vorher gekannt, wäre wohl jeder Marktteilnehmer von höheren Renditen, insbesondere bei italienischen Staatsanleihen ausgegangen. Mehr als 50 Prozent der italienischen Wähler hätten antieuropäischen Parteien ihre Stimme gegeben. Das Vertrauen in die Europäische Union (EU) sei damit tief erschüttert. Damit von Italien nicht ein Flächenbrand ausgehe, der auch andere Länder erfasse, müsse es der EU nun gelingen wichtige Fragen zu lösen.

Keine leichte Aufgabe, schließlich seien in Europa Ost und West in der Flüchtlingsfrage und Nord und Süd beim Thema Geld tief gespalten. Dass eine negative Marktreaktion dennoch ausgeblieben sei, sei dem Votum der SPD in Deutschland für eine Große Koalition zu verdanken. Marktteilnehmer würden nun hoffen, dass die Achse Merkel und Macron wichtige Reformen angehe. Deutschland und Frankreich seien schließlich die Eckpfeiler der EU. Insofern habe die Kontinuität in Europa die Wahl südlich der Alpen überstrahlt.

Italien selbst stehe nun vor sehr schwierigen Koalitionsverhandlungen. Ideologisch lägen die beiden Wahlsieger Lega Nord und die 5-SterneBewegung weit voneinander entfernt. Eine gemeinsame Regierung ließe sich den Wählern wohl kaum verkaufen. Als wahrscheinlich gelte ein Bündnis aus PD und 5-Sterne. Eine Konstellation mit wohl nur geringer Halbwertszeit. Es gehe aber ohnehin um die inzwischen 65. Regierung der Nachkriegszeit in Italien. Die Wähler seien also ohnehin alles andere als Kontinuität gewohnt. Sowohl die Lega Nord als auch die 5-Sterne-Bewegung dürften wohl kaum für einen Sparkurs stehen. Es dürfe davon ausgegangen werden, dass das Haushaltsloch wieder größer werde. Es wäre verwunderlich, wenn dies die Entwicklung der italienischen Staatsanleihen nicht belasten würde. Bis dahin könnte aber noch etwas Zeit vergehen. Im Vergleich zur Vorwoche habe sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen daher wieder auf unter 2% ermäßigt.

Bundesanleihen hätten in dieser Woche volatil seitwärts gehandelt. Die Rendite zehnjähriger Papiere habe dabei zwischen 0,6 und 0,7 Prozent geschwankt. Eine größere Bewegung sei vor allem am Donnerstag nach der Sitzung der EZB auszumachen gewesen. Zunächst sei die Rendite rasant angestiegen, da die Währungshüter einen kleinen Absatz aus ihrem Beschlusspapier gestrichen hätten.

Bislang habe es dort geheißen, man sei bereit, das Ankaufprogramm, wenn nötig, auch weiter aufzustocken. Das Fehlen sei als erster Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik gewertet worden. Nun wäre der Weg frei, auf einem der nächsten Treffen das Ende des Ankaufprogramms anzukündigen. In der anschließenden Pressekonferenz sei es Mario Draghi aber wieder sehr gekonnt diese Botschaft einzufangen gelungen. Mit Zinserhöhungen sei daher weiterhin nicht vor Mitte 2019 zu rechen. Zunächst einmal habe die EZB nur den Pfad zu einer langsamen Normalisierung der Geldpolitik betreten.

Darüber hinaus sei Draghi wichtig gewesen, ein paar deutliche Worte an die USA zu richten. Er habe die Verhängung von Strafzöllen kritisiert und auch vor einem Währungskrieg gewarnt. Schon im Januar habe er den Amerikanern vorgeworfen, den US-Dollar zu ihrem eigenen Vorteil schwach zu reden. Abschließend habe er sich auch kritisch zu den US-Plänen geäußert, die Bankenregulierung aufzuweichen. Solche Fehler, wie vor der Finanzkrise 2008, dürften sich nicht wiederholen.

Anleihen aus den aufstrebenden Volkswirtschaften hätten ebenfalls freundlich tendierte. Eine Ausnahme hätten Anleihen aus der Türkei dargestellt. Die Ratingagentur Moody‘s habe die Kreditwürdigkeit um eine Stufe schlechter eingeschätzt. Als Grund sei die politische Unsicherheit und die steigende Staatsverschuldung angeführt worden. Die Rendite von zehnjährigen Lokalwährungsanleihen liege inzwischen bei mehr als 12%. Zum Vergleich: Anfang 2015 seien es noch rund 7% gewesen. (Ausgabe vom 09.03.2018) (12.03.2018/alc/a/a)