Renten: Die Kurse von Bundesanleihen sind weiter gestiegen


08.06.17 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die doch eher enttäuschende Auftragslage (-2,1%/3,5%) passt nicht so recht zur guten Stimmung in der deutschen Industrie, so die Analysten der Helaba.

Bleibe zu hoffen, dass die Produktionszahlen heute das Bild wieder aufhellen könnten. Von der Hoffnung auf revidierte Inflationsprojektionen der EZB hätten Staatsanleihen profitiert, allerdings sei dem Aufschwung recht schnell die Puste ausgegangen. An den Aktienbörsen habe die Entscheidung des Verfassungsgerichtes gegen die Brennelementesteuer zwischenzeitlich für gute Laune gesorgt, am Ende siege jedoch auch hier die Vorsicht. Katar, Comey, EZB und zu einem gewissen Grad auch die Zwangsabwicklung der Banco Popular in Spanien seien genug Gründe, erst einmal abzuwarten.

Die Kurse von Bundesanleihen seien mit nachlassenden Erwartungen auf eine rasche Straffung der Geldpolitik weiter gestiegen. Die 10-Jahres-Rendite habe die seit September 2016 gültige Trendlinie bei 0,23% getestet, dann seien jedoch Anschlusskäufe ausgeblieben. Letzte Tauschaktionen in den September-Kontrakt hätten die Umsätze an der EUREX nochmals angeschoben.

Ansonsten sei im Sekundärhandel nur die Zentralbank im Rahmen ihrer Ankaufprogramme in Erscheinung getreten. Investoren hätten ihren Anlagebedarf aus einem reichhaltigen Primärangebot gedeckt. Die neue 30-jährige Italienanleihe habe ultralange Fälligkeiten belastet. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln (86 BP) habe sich um einen BP ermäßigt. Der Renditeabstand 10-jähriger Bonds aus Frankreich (0,69%) und Belgien (0,62%) habe sich kaum gegen Bunds verändert.

Anleihen aus der EU-Peripherie hätten marginal unter latenter Risikoaversion gelitten. Das zusätzliche Angebot 30-jähriger Papiere aus Italien über 6.5 Mrd. Euro habe für erhebliche Nervosität und kräftige Schwankungen gesorgt. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,55%) und italienischer Anleihen (2,28%) weite sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen am Ende um 1 bis 2 BP aus, portugiesische Bonds (3,04%) hätten 2 BP aufgeholt.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen wieder leicht gestiegen. Die vorab veröffentlichte Erklärung von Ex-FBI-Chef Comey habe wohl keine brisanten Enthüllungen enthalten. Vor der Wahl in Großbritannien und der EZB-Sitzung hätten Anleger ihre Deckung jedoch geschlossen gehalten. In Fernost würden sich US-Treasuries knapp behauptet präsentieren, die asiatischen Aktienbörsen würden sich kaum von der Stelle bewegen.

In Japan seien die endgültigen Wachstumszahlen für das erste Quartal (0,3%/1%) deutlich nach unten revidiert worden.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (164,83) habe 3 Stellen verloren, Bobl (133,12) und Schatz (112,175) seien 7 bzw. 1 Tick niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe steige auf 0,27%, der Renditeabstand zwischen 2-und 10-jährigen Bundesanleihen steige auf 99 BP. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 2,18% rentieren. Der Euro gebe leicht auf 1,125 Dollar nach, der Preis für das Barrel Öl falle deutlich auf 46 Dollar. Die Isolation Katars durch die Nachbarländer wecke Zweifel an der Haltbarkeit der vereinbarten Förderbegrenzung.

Heute seien alle Augen auf die Sitzung der EZB gerichtet. Spannend bleibe die Frage, ob Wachstumsrisiken jetzt als ausgeglichen beschrieben würden und das neue Kommuniqué Hinweis auf weitere Zinssenkungen enthalte. Nach Vorabinformationen erhöhe die Notenbank ihre Wachstumsprognose bis 2019 um jeweils 0,1% und senke für den gleichen Zeitraum die Inflationsprojektion auf ungefähr 1,5%. Im März hätten die Vorhersagen für BIP-Wachstum bei 1,8% 2017, 1,7% 2018 und 1,6% 2019, für die Teuerungsraten bei 1,7%, 1,6% bzw. 1,7% in 2019 gelegen. In Summe dürften alle Informationen zur Erkenntnis führen, dass die EZB ihre Anleihekäufe ab 2018 weiter vorsichtig reduzieren werde, einen langsamen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vorbereite.

Datenseitig stünden die deutsche Industrieproduktion (0,5%/2,1%), das endgültige BIP der Eurozone im ersten Quartal (0,5%/1,7%) sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (240K) in den USA im Blickfeld der Anleger.

Am Abend gehe dann der Blick Richtung Großbritannien, wo die Ergebnisse der Unterhauswahl bekanntgegeben würden. Mit großer Spannung werde auch die Aussage des Ex-FBI-Chefs Comey vor dem US-Senat erwartet.

Am Primärmarkt stocke die Republik Irland zwei Anleihen mit Fälligkeit Mai 2026 und Februar 2045 um insgesamt 1 Mrd. Euro auf. Italien habe über ein Syndikat eine 30-jährige Anleihe im Volumen von 6,5 Mrd. Euro 10 BP über der ausstehenden BTP 03/2047 begeben.

Die Provinz Ontario habe eine 7-jährige Benchmarkanleihe im Volumen von 1,5 Mrd. Euro bei Midswap +6 BP emittiert. Die EAA (Erste Abwicklungsanstalt) habe die 3-jährige Anleihe im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -22 BP angeboten. Der ESM habe eine im November 2046 fällige Anleihe um 1,5 Mrd. bei Midswap +18 BP aufgestockt. Die Berlin Hyp AG habe einen "grünen" Hypothekenpfandbrief mit Laufzeit Oktober 2023 im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap -14 BP platziert. (08.06.2017/alc/a/a)





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163,98 € 163,78 € 0,20 € +0,12% 16.08./22:03
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 168,42 € 158,73 €