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Renten: Kritischen EZB-Stimmen zur Geldpolitik folgen Kursverluste


06.09.21 11:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Entwicklung an den Kern-Staatsanleihemärkten war in der Berichtswoche uneinheitlich, so die Experten von Union Investment.

Während US-Treasuries nahezu unverändert tendiert hätten, sei es bei den Bundesanleihen zu Kursverlusten gekommen. Die Bund-Renditen seien im richtungsweisenden Zehnjahresbereich um vier Basispunkte angestiegen. Die zunehmende Tapering-Diskussion und die zuletzt kritischen Stimmen innerhalb der EZB hätten für etwas Abkopplung vom US-Markt gesorgt. Der Fokus der Anleger habe sich zuletzt eher auf dem deutschen Staatsanleihemarkt befunden.

Die als Transatlantik-Spread bezeichnete Renditedifferenz zwischen bundesdeutschen und US-Staatspapieren mit zehn Jahren Laufzeit habe sich seit Mitte August sukzessive von 182 auf zuletzt 168 Basispunkte eingeengt. Die US-Zinskurve habe sich in der Berichtswoche kaum verändert gezeigt, während die Bund-Kurve über die langen Laufzeiten (30 Jahre plus sechs Basispunkte) etwas steiler tendiert habe. In den südlichen Peripherieländern des Euroraums seien parallel zur Bund-Entwicklung leicht ansteigende Renditen zu beobachten gewesen. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns) habe bis Donnerstagabend leicht um 0,2 Prozent nachgegeben.

Trotz der eher verhaltenen Stimmung habe der Bund in der Berichtswoche problemlos einen neuen Langläufer mit Fälligkeit in 30 Jahren platzieren können. Die 5,5 Milliarden Euro schwere Anleihe habe eine Nachfrage in Höhe von gut 18 Milliarden Euro verzeichnet. Darüber hinaus sei das Volumen einer bereits platzierten Bundesobligation erfolgreich erhöht worden. Letzteres sei auch am griechischen Bond-Markt der Fall gewesen. Die Aufstockungen der beiden 2026 und 2052 fälligen Titel seien mehrfach überzeichnet gewesen. Der Neuemissionsmarkt komme nun vor dem Hintergrund der auslaufenden Sommerpause auch auf Staatsanleiheseite langsam aber sicher in Schwung.

Am Donnerstag tage die Europäische Zentralbank. Zuletzt hätten sich kritische Stimmen im EZB-Rat über die Presse deutliches Gehör verschafft und die Diskussion hinsichtlich einer Reduzierung der Anleiheankäufe verschärft. Zudem habe EZB-Vizepräsident de Guindos betont, dass es bei einer Erholung der Euro-Wirtschaft und der Inflationsentwicklung zu einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik kommen werde. Damit bestehe viel Diskussionsbedarf, der Ausgang des Treffens werde mit großer Spannung erwartet.

Darüber hinaus würden am Dienstag die deutsche Industrieproduktion für Juli und der ZEW-Index für September bekannt gegeben. (Ausgabe vom 03.09.2021) (06.09.2021/alc/a/a)