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Renten: Italien mit fulminantem Comeback


10.09.18 11:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der europäische Staatsanleihenmarkt zeigte sich in den vergangenen Tagen von seiner freundlichen Seite, so die Experten von Union Investment.

Im Mittelpunkt des Marktgeschehens habe wieder einmal Italien gestanden. Mehrere Regierungsvertreter hätten zu Wochenbeginn verlauten lassen, dass man bei den anstehenden Budgetverhandlungen eine gewisse Haushaltsdisziplin wahren möchte. Die Staatsverschuldung solle sich demnach um nicht mehr als zwei Prozent erhöhen. Die Wahlversprechungen der 5-Sterne-Bewegung wären so allerdings nicht finanzierbar, sodass damit keineswegs alle Zweifel ausgeräumt seien. Offenbar hätten zuletzt aber viele Investoren auf weiter fallende Kurse gesetzt, sodass ein gewisser "short-squeeze" eingesetzt habe.

Dabei würden sich Anleger gezwungen sehen, ihre Positionen zu bereinigen und wieder auf die Käuferseite wechseln. Der dadurch entstehende Renditerückgang bringe weitere Investoren unter Druck, die sich ihrerseits dann auch zu Käufen genötigt sehen würden.

Eine besonders starke Bewegung sei am vorderen Ende der italienischen Zinsstrukturkurve, also bei kurzlaufenden Anleihen zu beobachten gewesen. Zu Wochenbeginn habe die Rendite noch bei 1,5 Prozent gelegen, sei dann aber bis Freitag in die Nähe der Marke von 0,8 Prozent zurückgegangen. Auch am langen Ende sei die Rendite der zehnjährigen Anleihen wieder unter die Marke von drei Prozent gefallen. Die Kursbewegungen von Anleihen anderer Peripherieländer seien allerdings überschaubar geblieben. In Spanien hätten die Kurse sogar leicht nachgegeben. Aufgrund der außergewöhnlich starken Bewegung italienischer Papiere hätten die europäischen Rentenindices die Woche im Plus beendet.

Die Ratingagentur Fitch habe ihre Neueinschätzung der Bonität Italiens um einige Wochen nach hinten verschoben. Wie schon Standard & Poors und Moody's wollten die Analysten erst die Verhandlungen zum Haushalt 2019 abwarten, bevor sie die Kreditwürdigkeit neu beurteilen würden. In Erwartung einer aber in jedem Fall wohl steigenden Verschuldung hätten alle Bonitätswächter das Land mit einem negativen Ausblick versehen. Mit etwas Abstand sei das gleiche Urteil für den italienischen Bankensektor gefolgt. Schließlich würde letztlich der Staat für einen Teil der Schulden bei einer Bankeninsolvenz aufkommen.

Nach den ruhigen Sommermonaten habe sich der Primärmarkt (so werde der Markt für Neuemissionen genannt) schon in der vergangenen Handelswoche deutlich belebt gezeigt. Auch in der vergangenen Woche habe sich die rege Emissionstätigkeit fortgesetzt. Viele Unternehmen hätten neue Anleihen auf den Markt gebracht. Größtenteils seien dafür auch angemessene Neuemissionsprämien gezahlt worden. Da sich das Interesse der Marktteilnehmer dann aber weniger auf die schon umlaufenden Anleihen konzentriere, seien diese leicht unter Druck gekommen. Die größten Einbußen hätten Industrieanleihen hinnehmen müssen - jener Sektor also, mit der größten Emissionstätigkeit. Nachrangige Bankenpapiere hätten im Wochenvergleich sogar fester notiert, sich aber auch kaum neuen Anleihen gegenübergesehen. (Ausgabe vom 07.09.2018) (10.09.2018/alc/a/a)