Renten: Inflationserwartungen im Blickpunkt


10.11.17 13:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Renditen zehnjähriger Bunds waren zeitweise wieder unter ihren Jahresdurchschnittswert von 0,36% gefallen, so die Analysten der Helaba.

Ein Grund hierfür seien u. a. sinkende US-Renditen. Die Bekanntgabe von Jerome Powell als designierten neuen FED-Präsidenten habe den Anlegern Unsicherheit genommen. Immerhin habe mit John Taylor ein Vertreter einer restriktiveren geldpolitischen Ausrichtung ebenfalls in der engeren Auswahl gestanden. Daneben habe die EZB den Anleihemarkt derzeit fest im Griff. Dies liege sowohl an den bis Jahresende noch laufenden monatlichen Käufen von 60 Mrd. Euro, die sich mittlerweile zu einem Gesamtvolumen von über 2,2 Billionen Euro summieren würden.

Zudem hätten einige Aussagen von EZB-Notenbankern Wirkung gezeigt. Chefvolkswirt Peter Praet sehe die geldpolitische Hilfe für die Euro-Wirtschaft immer noch als notwendig an. Dem Patient Euro-Volkswirtschaft gehe es zwar besser, an eine Verlegung aus der Intensivstation werde offenbar nicht gedacht - selbst nach mehrjährigem Aufenthalt. Als Grund werde auf das noch immer nicht erreichte 2%-Inflationsziel verwiesen. Der EZB-Rat sei dabei mehrheitlich der Überzeugung, dass die Nebenwirkungen vernachlässigbar seien.

Zuletzt habe die Rendite zehnjähriger Bunds ihre Abwärtsbewegung gestoppt. Ein Grund seien steigende Inflationserwartungen gewesen. Diese würden sich seit Jahresmitte in einem leichten Aufwärtstrend befinden. Einen deutlich steileren Trend weise inzwischen aber der Ölpreis als wichtiger Einflussfaktor auf, sodass hier eine deutliche Lücke entstanden sei. Würden die Inflationserwartungen nachziehen, was angesichts des positiven Konjunkturausblicks nicht unwahrscheinlich sei, so werde dies auch den Rentenmarkt beeinflussen. Die Korrelation zwischen Inflationserwartungen und Renditen liege dauerhaft im positiven Bereich. Dies könne für die Beziehung zwischen Renditen und Konjunkturindikatoren wie dem ifo-Index nicht behauptet werden. Seit Einführung der Negativzinsen 2014 sowie des Kaufprogramms 2015 durch die EZB sei die Verbindung nicht mehr so eng wie früher.

Die von der EZB kultivierte Forward Guidance, die Erwartungen über die längerfristige (anhaltend lockere) Geldpolitik steuere, habe ebenfalls zur Abkopplung beigetragen. Die "natürlichen" Ausgleichsmechanismen, die gewissermaßen in Erwartung einer angepassten Geldpolitik z. B. Überhitzungstendenzen beim Wachstum und Kursübertreibungen an den Finanzmärkten in der Vergangenheit rechtzeitig entgegengewirkt hätten, seien von der EZB quasi ausgeschaltet worden. Letztlich müssten daher vor allem die Inflationserwartungen den Ausschlag für steigende Renten geben. (10.11.2017/alc/a/a)