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Renten: Inflationsentwicklung belastet


15.11.21 11:28
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Euro-Staatsanleihemärkten waren nach der Erholung in der Vorwoche zuletzt wieder rückläufige Anleihenotierungen zu beobachten, so die Experten von Union Investment.

Die Unsicherheit bezüglich des geldpolitischen Richtungswechsels der Zentralbanken habe sich vor allem in den kurzen bis mittleren Laufzeiten widergespiegelt, deren Renditen seien teils deutlich angestiegen. Bei den langen Laufzeiten habe sich wenig getan, sodass die Zinsstrukturkurven über das vordere Ende etwas flacher tendiert hätten. Die richtungsweisende 10-jährige Bundesanleihe habe am Freitagvormittag mit minus 0,24 Prozent (Vorwoche 0,28 Prozent) rentiert.

Mit Blick auf die Euro-Peripherie sei der Renditetrend ebenfalls leicht aufwärtsgerichtet gewesen, auch dort habe es Kursverluste gegeben. Die Risikoaufschläge (Spreads) gegenüber Bundesanleihen hätten wieder etwas angezogen, vor allem in Griechenland und mit Abstrichen auch in Italien. Das Rätselraten über die weitere Gestaltung der Ankaufprogramme der Europäischen Zentralbank (EZB) habe zuletzt etwas Unsicherheit in den Markt gebracht. So habe der österreichische Zentralbankchef und EZB-Ratsmitglied Holzmann zur Wochenmitte ein Auslaufen der Ankaufprogramme im September 2022 ins Spiel gebracht. Dass es sich hierbei um eine Mehrheitsmeinung innerhalb des EZB-Rats handle werde aber am Markt sehr stark angezweifelt. Holzmann sei Fürsprecher einer eher restriktiveren Geldpolitik, die aber innerhalb des Gremiums derzeit nicht mehrheitsfähig sei.

Am US-Staatsanleihemarkt seien in der Berichtswoche 30-jährige Papiere platziert worden. Die Auktion sei vergleichsweise schlecht verlaufen, was aber kaum Auswirkung auf die Rendite bereits gehandelter Papiere mit dieser Laufzeit gehabt habe. Die Zinsbewegungen würden derzeit in den kurzen bis mittleren Laufzeiten stattfinden. Zehnjährige US-Treasuries hätten mit 1,57 Prozent zwölf Basispunkte über Vorwochenschluss rentiert. Gleichzeitig seien vor dem Hintergrund der jüngsten Preisdaten die Inflationserwartungen am US-Markt wieder deutlich angestiegen.

Der international zu beobachtende Zinserhöhungstrend durch die Zentralbanken habe sich auch in der Berichtswoche fortgesetzt. Mit Mexiko und Peru hätten zwei südamerikanische Vertreter an der Zinsschraube gedreht und ihre jeweiligen Leitsätze erhöht. In Europa habe Rumänien zudem den Leitsatz angehoben. Zuletzt seien es vor allem die osteuropäischen Zentralbanken gewesen, die mit höheren Leitzinsen der Preissteigerung entgegentreten würden. In der Vorwoche hätten bereits Polen sowie Tschechien erhöht. Vor allem sei die Tschechische Zentralbank mit einer deutlichen Anhebung von 1,25 auf 2,75 Prozent in den Blickpunkt der Anleger geraten.

Am Währungsmarkt habe der bestehende Abwertungstrend des Euro zum US-Dollar an Fahrt gewonnen. Die Gemeinschaftswährung habe bis Freitagvormittag 1,1 Prozent zum Greenback nachgegeben und bei 1,144 US-Dollar je Euro notiert. Auf diesem Niveau habe der Euro zuletzt im Juli 2020 gehandelt. In Erwartung einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank und damit höherer US-Zinsen werde der US-Dollar derzeit gegenüber dem Euro am Markt als attraktiver angesehen. (Ausgabe vom 12.11.2021) (15.11.2021/alc/a/a)