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Renten: Inflation ist wieder ein Thema


18.02.21 15:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zu Jahresbeginn kletterte die Euro-Teuerung im Vorjahresvergleich von -0,3% auf 0,9% - so kräftig wie noch nie zuvor, so die Analysten der Helaba.

In Deutschland seien die harmonisierten Verbraucherpreise sogar von -0,7% auf 1,6% gestiegen. Gründe seien administrative Maßnahmen (Mehrwertsteuer, CO2-Steuer), ein neu zusammengesetzter Warenkorb sowie anziehende Ölnotierungen gewesen. Die Verbraucherpreisprognose für die Eurozone für 2021 hätten die Analysten der Helaba von 1,4% auf 1,8% angepasst. Die Ölpreisprognosen seien ebenfalls auf 60 US-Dollar pro Fass im ersten und 62US-Dollar im zweiten Quartal angehoben worden. Da das zyklische Tief im März bei rund 20 US-Dollar gelegen habe, sei es leicht auszumalen, dass sich der Anstieg der Teuerung aufgrund der noch eintretenden Basiseffekte bei den Energiepreisen fortsetze. Vorjahresraten um die 2,5% in Deutschland werde man vermutlich noch sehen.

Der geldpolitische Spielraum für weitere Lockerungen habe sich durch den Inflationsanstieg stark verengt. Zinserhöhungsfantasie sei im Gegenzug allerdings noch nicht aufgekommen, was erklären dürfte, warum die Anleger bislang relativ verhalten auf den Inflationsanstieg reagiert hätten und die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen immer noch bei rund -0,4% notiere. Das Risiko für steigende Kapitalmarkzinsen wachse allerdings, zumal das Geldmengenwachstum im Euroraum ebenfalls dynamisch verlaufe. Die Vorjahresrate der Geldmenge M1 habe mit 15,6% zuletzt ein historisches Hoch markiert. Ohnehin könnte sich der Fokus der Geldpolitik weltweit verschieben: Die massiv ausgeweitete Liquidität berge die Gefahr, zu einem Risiko für die Stabilität des globalen Finanzsystems zu werden. Die Kurskapriolen bei Bitcoin, GameStop und Silber in den vergangenen Wochen würden möglicherweise eine Phase mit insgesamt höheren Kursschwankungen an den Finanzmärkten signalisieren - auch bei Renten.

Neben der Geldpolitik sei das fortgesetzte Ringen mit dem Virus ein Grund für den bislang vergleichsweise moderaten Renditeanstieg hierzulande. Der harte Lockdown sei in Deutschland bis Anfang März verlängert worden. Deshalb sei für das erste Quartal mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von knapp 1% zu rechnen. Zusätzliche Risiken würden von den jüngsten Grenzschließungen ausgehen, die die Lieferketten in der Industrie bedrohen würden. Die im Vergleich zu anderen Ländern hinterherhinkende Impftätigkeit im Euroraum sei angesichts der sich ausbreitenden Virusmutationen zu einem Spiel gegen die Zeit geworden. Auch wenn ein dynamischer Aufschwung im zweiten Quartal weiterhin sehr wahrscheinlich sei, verringere sich die Wachstumsprognose der Analysten der Helaba 2021 von 4,2% auf 3,7%.

Mehr Druck als von der Inflation hätten die Kurse von Bundesanleihen zuletzt vom US-Rentenmarkt bekommen. Der jüngste Renditeanstieg habe 10-jährige US-Treasuries bereits auf Höhe der Jahresendprognose der Analysten der Helaba bei 1,2% geführt. Noch Anfang August hätten die Renditen bei 0,5% gelegen. Allerdings dürfte sich die Lage auch wieder beruhigen, zumal die FD kein Interesse an deutlich steigenden Kapitalmarktzinsen habe. Gleichwohl zeige sich das Dilemma, in dem viele Notenbanken stecken würden: Ein Rückzug aus der liquiditätsgetriebenen Geldpolitik sei, wenn die Renditen einmal ins Laufen kämen, schwierig und mit erheblichen Risiken verbunden. (18.02.2021/alc/a/a)