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Renten: Hohe Nachfrage nach risikobehafteten Titeln


07.08.17 11:45
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Europäische Staatsanleihen präsentierten sich in der abgelaufenen Handelswoche von der freundlichen Seite und verbuchten durchweg Gewinne, so die Experten von Union Investment.

Viele Investoren hätten sich angesichts des immer weiter steigenden Kurses der europäischen Gemeinschaftswährung leicht verunsichert gezeigt und verstärkt Anleihen nachgefragt. Ein Euro habe zwischenzeitlich 1,19 US-Dollar gekostet. Ein Niveau, das nicht spurlos an der Exportindustrie vorbeigehen dürfte und deshalb zunehmend zu einer Hypothek für den Aktienmarkt werde.

Anders als in den Vorwochen seien diesmal Papiere aus den Kern- und Peripherieländern gleichermaßen gefragt gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten Freitagnachmittag bei 0,46 Prozent rentiert, acht Basispunkte weniger als in der Vorwoche. Für die hohe Nachfrage seien auch umfangreiche Fälligkeiten - und somit Gelder, die wieder neu hätten investiert werden müssen - verantwortlich gewesen. Die wenigen turnusmäßigen Neuemissionen aus Frankreich und Spanien seien in diesem Umfeld deshalb stark gesucht gewesen.

Der Druck auf den Rentenmarkt habe aber auch deshalb abgenommen, weil Anleger zunehmend daran zweifeln würden, dass Mario Draghi auf dem anstehenden Notenbankensymposium im amerikanischen Jackson Hole Ende August tatsächlich bereits Details zur weiteren Reduzierung der Anleihekäufe nennen werde. Der Eurokurs dürfte auch den Notenbankern ein Dorn im Auge sein. Eine wie auch immer geartete Verkündung dürfte nur noch für zusätzliche Dynamik sorgen. Für die US-Notenbank wiederum seien die Vorzeichen andere. Sie hätten nun mehr Spielraum bekommen und könnten früher als angenommen mit dem Bilanzabbau beginnen. Eine Zinserhöhung im September bleibe indes unwahrscheinlich.

Für gewöhnlich würden die Experten zu dieser Jahreszeit keine Neuemissionen bei Papieren mit einem Renditeaufschlag beobachten. Im August seien viele Händler im Urlaub, weshalb es für Emittenten ein zu großes Risiko darstelle, Anleihen zu begeben, die dann auf keine Nachfrage treffen würden. Aktuell würden die Experten aber sehr wohl beobachten, dass neue Papiere begeben würden.

Aus den aufstrebenden Volkswirtschaften (Emerging Markets) seien in der vergangenen Woche Kolumbien und der Irak am Markt aktiv gewesen. Anleihen des Iraks seien in wichtigen Indices nicht enthalten. Daher sei die Notwendigkeit, diese Titel zu kaufen für Investoren gering. Dennoch sei es dem Konsortium gelungen die Papiere zu sehr günstigen Konditionen zu platzieren. Im Vorfeld sei ein Kupon von sieben Prozent plus X im Gespräch gewesen. Letztlich hätten 6,75 Prozent genügt. Anleihen aus Kolumbien seien nahezu ohne Aufschlag platziert worden.

Auch in den USA seien die Renditen für Staatsanleihen zurückgegangen. Das US-Finanzministerium überdenke indes weiter die Ausgabe neuer Anleihen. Im Gespräch seien dabei auch Papiere mit einer ultralangen Laufzeit von 50 Jahren gewesen, was aber nicht bei allen Investoren Anklang finde. Nun würden die Anleger nach ihren Wünschen befragt. Als Favorit habe eine neue 20-jährige Schatzanweisung gegolten. (Ausgabe vom 04.08.2017) (07.08.2017/alc/a/a)