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Renten: Hohe Nachfrage nach Anleihen aus den Kernstaaten


22.11.21 09:41
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Handelstagen entwickelten sich die als sicher geltenden Staatsanleihen aus Frankreich und Deutschland deutlich besser als Papiere aus den Peripherieländern, so die Experten von Union Investment.

So sei die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen gegen den Trend in anderen Märkten im Wochenvergleich sogar weiter zurückgekommen und habe Freitagmittag minus 0,32 Prozent betragen. Bundespapiere hätten sich in dieser Woche als knappes Gut erwiesen. Viele Banken würden sich bereits auf den Jahreswechsel und damit auch auf den Jahresabschluss vorbereiten. Bundesanleihen seien in diesem Zusammenhang für die Einlieferung bei der Zentralbank stark gesucht gewesen. Zudem habe es einige spekulative Marktteilnehmer wie Hedgefonds gegeben, die Bundesanleihen als Sicherheit für ihre Verluste benötigt hätten.

Obwohl die Bunderepublik Deutschland ein großer Emittent sei, würden sich inzwischen vergleichsweise wenig Anleihen im Umlauf befinden. Hierzu trage auch die Europäische Zentralbank bei, die in der vergangenen Woche Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro brutto erworben habe. Damit reduziere die Notenbank sukzessive das frei verfügbare Angebot. Die wöchentliche Kaufsumme habe damit auf einem durchschnittlichen Niveau der Käufe im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres gelegen. Von der angekündigten Reduzierung sei somit noch nichts zu merken gewesen. Zum Wochenschluss habe zudem die Sorge um die anhaltend hohen Infektionszahlen für Verunsicherung und einer entsprechend hohen Nachfrage nach Bundesanleihen gesorgt.

Vor dem Jahreswechsel sei es üblich, dass große Handelshäuser ihre Wertpapierbestände reduzieren würden, da diese sonst im Rahmen des Jahresabschlusses mit teurem Eigenkapital unterlegt werden müssten. So sei es gang und gäbe, dass der Handel im Dezember nahezu zum Erliegen komme. Ungewöhnlich früh hätten einige Händler damit nun bereits im November gestartet. Dies habe dazu geführt, dass die Liquidität deutlich nachgelassen und Unternehmensanleihen unter leichtem Abgabedruck gestanden hätten. Emittenten, die sich in diesem Umfeld an den Markt gewagt hätten, hätten ihre Not gehabt, die neuen Anleihen zu platzieren. Vielfach sei dies nur gelungen, indem attraktive Prämien gezahlt worden seien.

Die bereits erwähnten US-Zinserhöhungsfantasien und die gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des Konjunkturpakets - build back better - noch vor Weihnachten hätten zu einer weiteren Aufwertung des US-Dollar geführt. Für einen Euro hätten Freitagmittag weniger als 1,13 Euro bezahlt werden müssen. Der Greenback habe zudem auch gegen eine Reihe an Währungen aus den Schwellenländern aufgewertet.

Schlusslicht sei abermals die Türkische Lira gewesen, die auch in dieser Woche mehr als zehn Prozent abgewertet habe. Am Donnerstag habe die Notenbank trotz enorm hoher Inflationszahlen von rund 20 Prozent abermals den Leitzins um zwei Prozentpunkte gesenkt und einen weiteren Zinsschritt im Dezember nicht ausgeschlossen. Seit Anfang September habe die Lira zum US-Dollar ein Viertel an Wert verloren. Andere Notenbanken in den Schwellenländern hätten die Leitsätze hingegen leicht angehoben. Neben Südafrika sei hier auch Ungarn zu nennen. (Ausgabe vom 19.11.2021) (22.11.2021/alc/a/a)