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Renten: Höhere Schulden, steigende Renditen


16.11.20 12:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Krise hat eine erhebliche Lockerung der globalen Geldpolitik ausgelöst, die sich bis heute fortsetzt, so die Analysten von Postbank Research.

Auch in den USA habe im Frühjahr der massive Ankauf von Staatsanleihen durch die US-Notenbank Federal Reserve (FED) zu einem kräftigen Kursanstieg und damit zu entsprechend sinkenden Renditen geführt. Auf den ersten Blick überrasche es allerdings, dass die enorme Erhöhung der Staatsausgaben zur Bekämpfung der ökonomischen Folgen der Pandemie in den vergangenen Monaten die laufende Verzinsung nicht wieder nach oben getrieben habe. Seit Ende März würden sich die US-Renditen seitwärts bewegen.

Eine Erklärung hierfür sei der Anstieg der privaten Sparquote. Die Ersparnisse des privaten Sektors hätten ausgereicht, um die Neuverschuldung des öffentlichen Sektors von 23% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Halbjahr fast vollständig zu finanzieren. Gleichzeitig hätten sich die Kapitalzuflüsse von Kreditgebern wie der FED oder ausländischen Investoren fortgesetzt.

Der Anstieg des privaten Sparvolumens habe auch Auswirkungen auf das Fiskalpaket, um dessen Höhe und Ausgestaltung sich die Demokraten und Republikaner seit Monaten streiten würden. Dabei würden Verteilungsfragen verstärkt in den Fokus rücken. Das Konjunkturpaket sollte so geschnürt sein, dass die Einkommen derjenigen gestärkt würden, die eine geringere marginale Sparneigung aufweisen würden, damit der fiskalische Stimulus den US-Konsum und damit das Wachstum ankurbele.

Solange der mögliche Renditeanstieg kontrolliert und moderat erfolge, dürfte sich auch die US-Notenbank dem nicht entgegenstellen. Für diese Einschätzung spreche die Entwicklung der vergangenen Monate. Seit Juli sei die Renditedifferenz zwischen US-Staatspapieren mit 10- und 30-jähriger Laufzeit auf knapp 80 Basispunkte geklettert, ohne dass die FED eingegriffen habe. Das sei auch nicht erforderlich gewesen, weil insbesondere die Renditen der Papiere mit extrem langen Laufzeiten, die sich kaum auf die Kreditzinsen für Verbraucher und Unternehmen auswirken würden, den Trend bestimmt hätten. Da zeitgleich der marktbreite US-Aktienindex S&P 500 neue Höchststände verzeichnet habe, seien die Finanzmarktkonditionen insgesamt locker geblieben.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnten die Währungshüter in den USA eine steilere Renditekurve auch künftig tolerieren, wenn ein durch die langen Laufzeiten verursachter Anstieg der Renditedifferenz um 10 Basispunkte mit einem Kursanstieg am Aktienmarkt um etwa 0,7% korrespondiere. Außerdem dürfe die FED nur 70% des ausstehenden Volumens von US-Staatsanleihen jeder Laufzeit halten. Dies spreche dafür, dass sich die FED mit Ankäufen künftig etwas zurückhalte, denn bei Papieren mit zehn oder mehr Jahren Laufzeit rücke dieser Grenzwert immer näher.

In der Eurozone seien Renditen und Risikoaufschläge von Staatsanleihen ebenfalls abgetaucht. Bei italienischen Papieren hätten die Spreads zuletzt mit einem Rückgang auf 1,25% ein 2-Jahrestief markiert. Die laufende Verzinsung 10-jähriger Anleihen sei im Verlauf des Oktobers auf ein Allzeittief von 0,7% gesunken. Zu dieser Entwicklung hätten vergleichsweise gute Konjunkturdaten beigetragen, die auf eine Erholung der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone im dritten Quartal hingedeutet hätten. In ihrer Jagd auf Rendite hätten Anleger verstärkt auf italienische Staatsanleihen gesetzt, deren Kurse zusätzlich von massiven Käufen der Europäischen Zentralbank (EZB) gestützt würden. Diese Entwicklung sollte aber nach Einschätzung der Deutschen Bank weitgehend ausgereizt sein. (Perspektiven November 2020) (16.11.2020/alc/a/a)