Erweiterte Funktionen

Renten: Höhere Renditen möglich


14.10.20 10:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - In den USA sind die Inflationserwartungen spürbar gestiegen, so die Analysten von Postbank Research.

Die Dynamik der Konjunkturerholung habe sich zuletzt zwar abgeschwächt. Doch die Unterbrechung der globalen Lieferketten im Zusammenhang mit der Corona-Krise habe Vorprodukte verteuert. Gleichzeitig hätten sich infolge der Normalisierung der Wirtschaftsaktivitäten viele Notierungen an den Rohstoffmärkten erholen können. Hinzu kämen ein massives Geldmengenwachstum und der Strategiewechsel der US-Notenbank. Die FED akzeptiere künftig über einen längeren Zeitraum Inflationsraten von mehr als 2%. Ein stark beachteter Maßstab für die Inflationserwartungen in den USA sei die sogenannte Breakeven-Rate. Sie errechne sich aus der Differenz der Nominalrendite von US-Staatsanleihen und der von inflationsindexierten US-Staatstiteln ("Treasury-Inflation-Protected-Securities", kurz TIPS). Seit März hätten sich die zehnjährigen Breakevens von 0,5% auf zuletzt 1,6% mehr als verdreifacht.

Seit Beginn der Pandemie habe sich die laufende Verzinsung von zehnjährigen US-Staatsanleihen bei 0,7% eingependelt. Grund hierfür seien die massiven Anleihekäufe der FED, ohne eine höhere Rendite wahrscheinlich wäre. Ein Indiz dafür sei die gestiegene Differenz zu Papieren mit 30 Jahren Laufzeit, die nicht im Kaufprogramm der FED berücksichtigt würden. Sie belaufe sich inzwischen auf 75 Basispunkte, im langjährigen Durchschnitt seien es nur rund 30 Basispunkte. Eine Einigung auf ein neues, umfassendes US-Fiskalpaket, das die Konjunkturaussichten in den USA stärke, könnte allerdings einen Renditeanstieg auch bei zehnjährigen Staatsanleihen auslösen. Damit würde sich vermutlich nicht nur die Differenz der Nominalrendite zu den 30-Jährigen auf Normalmaß verringern - auch die für die Zukunft erwartete Realrendite könnte in diesem Laufzeitenbereich wieder zulegen.

Die Corona-Krise habe von Anfang an Staatsanleihen aus Schwellenländern überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Investoren an den Finanzmärkten würden befürchten, dass die Konjunkturprogramme und direkten Hilfspakete zur Abfederung der Pandemiefolgen die betroffenen Staaten finanziell überlasten könnten. Deshalb seien die Risikoprämien insbesondere für Staatspapiere, die in Landeswährung gehandelt würden, deutlich gestiegen. Selbst in Ländern wie Polen mit stabiler Wirtschaftsentwicklung und solidem Haushalt habe sich die Renditedifferenz der Lokalwährungsanleihen zu US-Benchmarkanleihen erheblich vergrößert. So seien die Spreads für polnische Papiere mit zehn Jahren Laufzeit im ersten Quartal von 18 auf 150 Basispunkte geklettert.

Die Beruhigung an der Corona-Front während der Sommermonate und die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der globalen Wirtschaft habe die Bonität der Schwellenländeranleihen wieder verbessert. Allerdings lägen die Spreads weiter über dem Niveau von vor Ausbruch der Pandemie. Hauptgrund seien die nach wie vor hohen Infektionszahlen und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Belastungen. Russland, Südafrika, Mexiko und Brasilien würden zu den zehn Ländern mit der höchsten Inzidenz gehören. Hinzu komme bei diesen vier Ländern, dass ihre Exportwirtschaft besonders stark vom Nachfrageeinbruch bei Rohstoffen betroffen sei. In Russland stünden fossile Brennstoffe für mehr als zwei Drittel der Exporte, in Mexiko seien es knapp 10%. In Brasilien würden Rohstoffe ein Fünftel der Ausfuhren ausmachen und in Südafrika stünden Gold, Platin und Diamanten für 30% der Exporte, fossile Brennstoffe für weitere 20%. (Perspektiven Oktober 2020) (14.10.2020/alc/a/a)