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Renten: Handelskonflikt und vorsichtige EZB-Geldpolitik drücken Renditeniveau


05.04.18 13:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nach einem sprunghaften Anstieg zu Jahresbeginn legten die Kapitalmarktrenditen im Euroraum in den darauf folgenden Wochen den Rückwärtsgang ein, so die Analysten von Postbank Research.

10-jährige Bundesanleihen würden mit 0,50% aktuell um 27 Basispunkte unterhalb des Anfang Februar erreichten Jahreshochs rentieren. In den USA habe die 10-Jahresrendite von Staatsanleihen etwas moderater nachgegeben, sodass sich der Treasury-Bund-Spread leicht ausgeweitet habe. Ein wesentlicher Grund für den Renditeanstieg diesseits und jenseits des Atlantiks liege in der Verunsicherung, von der die Marktteilnehmer - nicht nur an den Rentenmärkten - zuletzt ergriffen worden seien. Habe zu Jahresbeginn angesichts der beinahe euphorischen Unternehmensstimmung und der gerade beschlossenen US-Steuerreform noch eitel Sonnenschein hinsichtlich der Wachstumsaussichten geherrscht, so würden sich die Blicke derzeit verstärkt sorgenvoll auf die drohende Eskalation des Handelskonfliktes der USA mit wichtigen Handelspartnern richten. Dies wiederum steigere die Attraktivität vermeintlich sicherer Anlagen.

Für den etwas stärkeren Rückgang der Kapitalmarktrenditen hierzulande sind wiederum die geldpolitischen Erwartungen verantwortlich, so die Analysten von Postbank Research. Während sich in den USA zuletzt ein etwas schnellerer Zinserhöhungspfad abgezeichnet habe, setze die EZB ihren ultraexpansiven Kurs trotz anhaltend guter Konjunkturdaten erst einmal fort. Hinzugekommen seien moderate Inflationsdaten für den Euroraum, die gegen einen schnellen Kurswechsel in der Geldpolitik sprächen. In der Folge seien die zwischenzeitlichen Spekulationen, dass die EZB bereits Anfang 2019 oder sogar noch in diesem Jahr ihre Leitzinsen erstmalig wieder anheben könnte, deutlich abgeflaut. Dies zeigt sich auch in der Rendite 2-jähriger Bundesanleihen, die seit der letzten Ausgabe unserer "Zinsen und Währungen" um 5 Basispunkte auf -0,59% nachgegeben hat, so die Analysten von Postbank Research.

Sofern der Konflikt der USA mit ihren Außenhandelspartnern nicht eskaliert und eine deutliche Abkühlung der globalen Konjunktur nach sich zieht, sehen die Analysten von Postbank Research keinen Grund für einen weiteren Rückgang der Renditen. Die davon ausgehende Verunsicherung werde sich aber so schnell nicht auflösen. Zudem sollten sich auch die Aufwärtsimpulse für die Renditen zunächst in Grenzen halten. Im Euroraum sollte die Inflation nur moderat ansteigen, während konjunkturelle Frühindikatoren ihren Höhepunkt überschritten hätten. Ein signifikanter Aufwärtsdruck auf die Renditen im Euroraum dürfte in diesem Umfeld erst gegen Jahresende entstehen, wenn die Nettoankäufe von Anleihen durch die EZB enden würden und ein erster Zinsschritt in greifbare Nähe rücke. Auf Sicht von zwölf Monaten dürfte die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen in Richtung 1,25% ansteigen. (Zinsen und Währungen April 2018) (05.04.2018/alc/a/a)